Moseltalbahn bei Bullay © Herbert Plonien

Altes und Neues vom Rheinischen Verein

25.05.2020

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In den letzte Wochen sandte ich Ihnen vielfach Landschaftsfotos die unsere Kollegen vom Regionalverband Aachen des Rheinischen Vereins an deren Mitglieder senden. Dazu gehörten auch einige Fotos aus unserer Region.

Bombentrichter in Marienburg © Herbert Plonien

Bau der Moselbrücke © Herbert Plonien

Es ist aber auch interessant, auf alte Fotos zurück zu greifen – wenn diese auch häufig Erinnerungen an schwere, traurige Zeiten wecken.
Nachfolgend eine kleine Auswahl aus meiner Sammlung.
Gerne kann die Veröffentlichung solcher alten Fotos zu einer Serie werden. Da meine Sammlung sich weitgehend auf die nähere Region um St.Aldegund beschränkt veröffentliche ich gerne auch alte Bilder aus anderen Regionen unseres schönen Kreises Cochem-Zell. Bitte senden Sie solche Bilder an info@schommers-wein.de und geben Sie eine kurze Erläuterung zu dem gezeigten Motiv.

Unsere viel besuchten Exkursionen sind seit März leider ausgefallen. Es zeichnet sich ab, dass wir in überschaubarer Zeit wieder starten können – aber mit den vorgegebenen Einschränkungen

Hier nun die ersten Fotos einer hoffentlich interessanten Serie:

Der Bahnhof Bullay und die Bullayer Eisenbahnbrücke waren für die „Alliierten“ ein häufig bombardiertes Ziel um die Bahn-Infrastruktur zu zerstören.
Zahllose Bomben wurden auf den Bahn-Knotenpunkt Bullay mit Brücke abgeworfen. Zahllose Häuser wurden zerstört, viele Menschen mussten ihr Leben lassen. Aber getroffen und zerstört wurde die Bullayer Brücke erst durch die deutsche Wehrmacht auf dem Rückzug Richtung Osten über den Hunsrück. Wie fast jede Familie hatten auch wir „Einquartierung“. Einer der deutschen Soldaten fuhr eine Seitenwagen-Maschine und lud mich als knapp 5-jährigen zu einer „Spritztour“ ein. Wir fuhren dabei auch über die Bullayer Brücke und ich erinnere mich deutlich an ein Loch in der Fahrbahn verursacht von einem Blindgänger.

Das folgende Foto zeigt die Brücke im Januar 1945 mit dem „Marienburger Sattel“. Die vielen schwarzen Flecke sind Bombentrichter. Wenn man heute über den „Marienburger Pfad“ von der Alfer Brückenseite hoch zur Marienburg wandert sieht man noch zwei der Bombentrichter im Wald.

Mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie Koblenz-Trier 1878/1879 wurde unsere Region zwar an das deutschlandweite Streckennetz angeschlossen. Weil aber die neue Bahnlinie die kürzere Strecke durch die Wittlicher Senke nahm blieb die Strecke zwischen Bullay und Trier entlang der Mosel vom Bahnverkehr abgeschnitten. 1900 begannen die Planungen für die „Moseltalbahn“, 1903 wurden erste Teilstrecken eröffnet und 1905 die gesamte Strecke zwischen Trier und Bullay mit insgesamt 38 Haltestellen.

Gemütlich tuckerte die einspurig ausgebaute Bahn in fast vier Stunden von Bullay nach Trier oder zurück. Ob es stimmt, weiß man nicht: es wird aber berichtet, dass das Zugpersonal schon mal an einem Bahnhof sich einen „schnellen Schoppen“ genehmigte. Der Spottname „Saufbähnchen“ scheint also berechtigt gewesen zu sein.

Ab 1961 wurden erste Teilstrecken wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt und 1966 der Betrieb ganz eingestellt. Auf der Trasse der ehemaligen „Moseltalbahn“ verlaufen heute teils Straßen oder Radwege. Das Foto zeigt den Bereich des Kleinbahnhofs Bullay. Die Bahngebäude existieren heute noch. Das Gelände des Bahnhofs war über Jahre ein kleines Gewerbegebiet auf dem derzeit eine große Wohnanlage errichtet wird. Das Foto zeigt aber auch, wie enorm sich das Dorf Bullay entwickelt hat. Die im Krieg zerstörte Bullayer Kirche ist noch „geostet“ und steht im rechten Winkel zur Mosel.

Die von der deutschen Wehrmacht gesprengte Bullayer Brücke wurde bevorzugt schon ab 1947 wieder aufgebaut. Fahrgäste auf der Strecke Koblenz-Trier und umgekehrt mussten in Eller aussteigen und mit Gepäck bis zum Tunnelmund auf der Alfer Seite laufen – geschätzte 8 km. Das nutzten zahlreiche St. Aldegunder junge Männer (aber sicher auch welche aus Bremm und Eller) für einen Nebenverdienst. Mit Leiterwagen und zweirädrigen Karren standen sie in Eller oder am Tunneleingang Alf und boten den Fahrgästen ihre Dienste als Gepäcktransporteure an. Es wurde berichtet, dass ältere Herrschaften sich teils auch auf die Karren setzen konnten. Um die Mosel queren zu können, hatten die „Besatzer“ in Höhe der Alf-Bullayer Fähre eine Pontonbrücke gebaut. Man sieht im Hintergrund noch die „Winterschule“ in ihrem Original-Zustand, heute ein Appartment-Haus. Dort wurden die Söhne der Winzer im Winter von Fachlehrern in Sachen Weinbau und Weinausbau geschult.

Die hier gezeigten Fotos verdanke ich meinem Wanderfreund Herbert Plonien.

Ein Bericht von
Gerhard Schommers
RV Cochem-Zell

Schatzmeister

Rudolf Conrads

Bankkaufmann, Dipl.-Betriebswirt, Dipl.-Volkswirt

Thematische Schwerpunkte

  • Finanzen des RVDL
  • Leitung der Marianne von Waldthausen Geächtnis-Stiftung
  • Pflege / Inwertsetzung der RVDL-Burgen
  • Weiterentwicklung der Verzahnung des Gesamtvereins mit den Regionalverbänden
  • Kreativer Partner für die Vorstände der Regionalverbände

Regionale Verantwortung

  • Schatzmeister im Freundeskreis der Burg Stahlberg e.V.
  • Schatzmeister im Freundeskreis der Burg Virneburg e.V.
  • Vorstandsmitglied im RVDL Regionalverband  Köln
  • Beiratsmitglied im RVDL Regionalverband Rhein/Mosel/Lahn
  • Vorsitzender des Beirats der Stiftung Lahn-Marmor-Museum

Kontakt

rudolf.conrads(at)rheinischer-verein.org