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Sicht auf die Heisterbacher Klosterruine

Klosterlandschaft Heisterbacher Tal

Blick auf Heisterbach, einmal eine alte Fotografie in schwarz weiß und eine aktuelle in Farbe

Historisch-geographische Kulturlandschaftsanalyse

Ein integratives Konzept zum Umgang mit einer historischen Kulturlandschaft. Die Idee des Projektes "Modellhafte Konzeptentwicklung der Kulturlandschaft Heisterbacher Tal" entstand auf der Grundlage der Ergebnisse eines Symposiums, das im Jahr 1994 in Königswinter stattfand. Der seinerzeit formulierte wissenschaftliche Ansatz und die Zielsetzung des Projektes entsprechen sowohl denkmalpflegerischen Absichten wie den Grundsätzen des Landschaftsschutzes und der Heimatpflege. Großes Augenmerk wurde auf die Verwertbarkeit der Ergebnisse aus planerischer Sicht gelegt, denn der im Zuge von Planungen notwendige Ausgleich zwischen den wirtschaftlichen Interessen und den Belangen der Denkmalpflege oder des Naturschutzes als öffentlichem Interesse führt bekanntermaßen immer wieder zu großen Spannungen und Problemen.

Zunächst galt es, mittels eines Kulturlandschaftskatasters eine Datengrundlage und Dokumentation zu erstellen, die aus einer Zusammenfassung aller Kulturlandschaftselemente im Heisterbacher Tal als einem klar umrissenen Betrachtungsraum besteht. Dies erfolgte mit der Absicht, die Dokumentation sukzessive im Verlauf des Projektes fortzuschreiben und zu ergänzen im Sinne eines jeweilig verbesserten Kenntnisstandes, was bereits impliziert, dass ein Kulturlandschaftskataster immer nur eine Momentaufnahme des jeweiligen Forschungs- und Bearbeitungsstandes wiederspiegeln kann und in diesem Sinne nie als ein abgeschlossenes Projekt betrachtet werden darf.

Die Dokumentation wurde somit Bestandteil einer historisch-geographischen Kulturlandschaftsanalyse, die mit Hilfe des Kulturlandschaftskatasters und Erhebungsbögen in Katalogform erfolgte. Aus dieser Erhebung ließen sich im Anschluss sogenannte Kulturlandschafts- Wandelkarten erstellen, die eine Kartierung der einzelnen Zeitphasen und auch eine phasenübergreifende Darstellung erlauben.


Zwischenergebnisse

Im Heisterbacher Mühlental ist nach dem derzeitigen Kenntnisstand der Bau- und Bodendenkmalpflege wenig mittelalterliche Substanz überliefert, im Gegensatz zu den Befunden der Barockzeit und des 19. Jahrhunderts. Folglich stand die Beantwortung der Frage im Vordergrund, ob es sich dabei um ein Problem des Forschungsstandes oder der Quellenlage handelt, d.h. im letzteren Fall einen echten Kontinuitätsbruch in der Überlieferung. Aus diesem Grund erschien es als notwendig, diesen möglichen Hiatus mit Hilfe der Dokumentation zu bestätigen oder zu widerlegen. Hier kristallisierte sich weiterer Forschungsbedarf in Detailfragen während der Projektabwicklung heraus. In Bezug auf die künftige Weiterentwicklung der Kulturlandschaft sollten die Wirtschaftsaktivitäten der Zisterzienser mit ihren Verflechtungen hierbei besonders herausgearbeitet werden. Aus der Sicht des Gesetzgebers ist natürlich zu hinterfragen, welche Rechtsgrundlagen im Rahmen der bestehenden Gesetze geeignet sind zum Schutz und zur Pflege einer historischen Kulturlandschaft und des darin enthaltenen kulturellen Erbes.

In den Denkmalschutzgesetzen und im Bundesnaturschutzgesetz ist der Begriff der Kulturlandschaft zwar verankert, definitive Festlegungen etwa hinsichtlich der Eingriffsregelung und des Ausgleichs bei Eingriffen in die Kulturlandschaft sind jedoch nicht gegeben. Daran schließt sich die Notwendigkeit an, Kriterien zu entwickeln, um Eingriffe in die Kulturlandschaft als positiv oder negativ zu identifizieren und damit die uns negativ erscheinenden aktuellen Entwicklungen in der Kulturlandschaft auf ihre Reversibilität zu überprüfen.

Letztlich muss die Frage erlaubt sein, ob die historische Entwicklung ein aktives Eingreifen und „Rekultivieren" von Kulturlandschaft im historischen Verständnis rechtfertigt, denn dies bedingt immer die Rekonstruktion einer bestimmten (willkürlich gesetzten) Zeitphase. Ein elementarer Bestandteil des Projektes war daher das Formulieren von gutachterlichen Empfehlungen zum Umgang mit der Kulturlandschaft, die allen Planungsbehörden sowie der Land- und Forstwirtschaft und den Behörden als Handlungsempfehlungen bekannt gemacht wurden.

Ein weiteres Anliegen des Projektes war und ist es, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, um mit dieser Aufklärung Akzeptanz zu schaffen für einen nachhaltigen Umgang mit Kulturlandschaft und ihren prägenden Elementen, wovon besonders die Denkmäler und Bodendenkmäler als unverzichtbare Bestandteile des kulturellen Erbes profitieren können. Das Interesse innerhalb der Region für die eigene Geschichte und eine kulturlandschaftsverträgliche nachhaltige Nutzung kann so gestärkt werden, und nach außen zur Entwicklung des allseits gewollten sanften Tourismus führen.

Schließlich wurde auch das Ziel formuliert, konkrete Maßnahmen umzusetzen, wie etwa Rekultivierungsmaßnahmen (etwa der Fischteiche des Klosters), das Schaffen von Offenlandflächen, Renaturierung von Landschaftsteilen oder Förderung der extensiven Land- und Forstwirtschaft.


Zielsetzungen

Zusammenfassend lässt sich für die Konzeption des Projektes festhalten, das die Dokumentation und Inventarisation des Heisterbacher Tales im Vordergrund stand, ausgehend vom ehemaligen Zisterzienserkloster mit seinen Gebäuden, dem Wirtschaftsbetrieb mitsamt der Wasserversorgung, und dies in seiner geschichtlichen und kulturlandschaftlichen Gesamtheit. Dabei spielen sowohl ökologische als auch kultur-, wirtschafts- und sozialgeschichtliche Faktoren eine Rolle.

Es wurden Parameter zum Schutz und zur Entwicklung des Heisterbacher Tales festgelegt. Vorrang haben der Schutz der Kulturlandschaft sowie die Sicherung ihrer Grundlagen, im wesentlichen die historischen Strukturen, die Denkmäler und Bodendenkmäler sowie die naturräumlichen Gegebenheiten.

Derzeit wird der Versuch unternommen, mit Hilfe der gezielten Kartierung von Ausschlussflächen kulturlandschaftlich sensible Bereiche von einer weiteren Nutzung oder auch der Festlegung als Ausgleichsflächen freizuhalten.

Mit dem integrativen Ansatz des Projektes sollen also einerseits die rechtlichen Rahmenbedingungen ausgeschöpft werden, aber auch Aussagen und Handlungsempfehlungen zur Landschaftsplanung möglich sein. Ein wesentlicher Bestandteil der weiteren Umsetzung sind die gutachterlichen Stellungnahmen verschiedener Fachdisziplinen. Neben einem hydrologischen Gutachten sowie einem Biologischen Gutachten lieferten die Land- und Forstwirtschaft, die Baudenkmalpflege und besonders umfänglich die Bodendenkmalpflege weitere Erhebungen und Präzisierungen. Das archäologische Gutachten der Abteilung Prospektion des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege umfasst nicht nur eine Zusammenstellung und Aufbereitung bekannter Daten, sondern wurde erweitert durch eine systematische Prospektion und Geoprospektion des Geländes, die im Juli 2002 weitgehend abgeschlossen werden konnte. Ebenso konnten mit Mitteln der Deutschen Bundesstiftung Umwelt einige gezielte Sondagen im Gelände der Abtei sowie im Außenbereich durchgeführt werden.

Langfristig soll auch die Aufarbeitung der Altgrabungen im Bereich der Abteikirche in die Gesamtdokumentation einfließen. Dieser umfangreiche archäologische Maßnahmenkatalog war ausdrücklicher Wunsch des Fachreferenten für Bodendenkmalpflege am zuständigen Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW. Ebenso unterstützte das Ministerium die topographische Aufnahme des Heisterbacher Tales im Rahmen zweier Diplomarbeiten an der Universität Essen, die im Sommer 2002 abgeschlossen wurden.

In der momentanen Phase des Projektes werden als Ergebnis eines didaktischen Präsentationskonzeptes vier kulturhistorische Wanderrouten durch das Heisterbacher Tal erarbeitet, die zukünftig den Besuchern durch ein Informationssystem die Kulturlandschaft erschließen und den Blick für die kulturellen Relikte schärfen sollen.


Weiterführende Literatur

K.-D. Kleefeld, P. Burggraaff u.a., Abschlußbericht zur modellhaften Konzeptentwicklung der Kulturlandschaft Heisterbacher Tal (ungedr. Manuskript 2001).

P. Burggraaff, E. Fischer, D. Killmann, K.-D. Kleefeld, B. Schwontzen, Klosterlandschaft Heisterbacher Tal. Rheinische Landschaften 49 (Köln 2001).

Ora et labora. Quellen und Elemente der Nachhaltigkeit zisterziensischen Lebens. Zisterzienser im Rheinland 5 (Köln 2002).


Weiterführende Informationen

Der Rheinische Verein engagiert sich auch im Rahmen der Regionale 2010 für das Projekt "Klosterlandschaft Heisterbacher Tal".

www.klosterlandschaft-heisterbach.dewww.klosterlandschaft-heisterbach.de

www.abtei-heisterbach.de