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Sicht auf die Heisterbacher Klosterruine

Weinberg Niederdollendorfer Heisterberg

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) besitzt am Jugendhof Rheinland bei Königswinter die historische Weinbaulage "Niederdollendorfer Heisterberg" mit einer Rebfläche von heute ca. 0,6 ha. Die „Erhaltung und Weiterentwicklung der historischen Weinbaulage ist ein gemeinsames Projekt des LVR und des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL). Ziel ist die langfristige und nachhaltige Weiterbewirtschaftung des Weinbergs unter Berücksichtigung der kulturlandschaftlichen, historischen und ökologischen Besonderheiten des Standorts.

Blick vom Niederdollendorfer Heisterberg


Lage

Auf einem südexponierten Hang des Kellerberges in 110-130 m Höhe stockt der Weinberg. Weinbaulich gehört er zum Bereich „Siebengebirge" im Anbaugebiet „Mittelrhein", Großlage „Petersberg". Die Einzellage heißt „Niederdollendorfer Heisterberg". Die Rebfläche des Weinberges umfasst derzeitig 0,58 ha. Aus der Vergangenheit ist bekannt, dass diese Lage sehr gute Weine hervorbringen kann.


Natürliche Grundlagen

Die besondere Reliefsituation bewirkt eine für Flora, Fauna und Weinbau bedeutsame Klimakonstellation: An den rheinseitigen Hängen bildet sich durch die geschützte Lage ein besonderes Kleinklima, das wärmer und trockener als die Umgebung ist. Geologisch liegt der Weinberg im Bereich devonischer Ablagerungen aus Tonschiefern und Grauwacken. Damit weist der Kellerberg geologisch grundsätzliche Unterschiede zu den Weinbauflächen am Drachenfels auf, die auf vulkanischem Material stocken. Bodenkundlich haben sich hier Braunerden mit einer Entwicklungstiefe von 80 cm entwickelt. Klimatisch sorgen etwa 750 mm Jahresniederschlag für eine gute Wasserversorgung der Reben. Mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von über 9 Grad zählt der Standort zu den wärmsten Gebieten Nordrhein-Westfalens und ist mit den Weinanbaugebieten des übrigen Mittelrheins und der Ahr durchaus vergleichbar. Die mittlere Sonnenscheindauer pro Jahr beträgt ca. 1500 Stunden. Die klimatischen Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Weinbau sind damit gegeben.


Das Projekt - was bisher geschah

Nach Rodung der abgängigen alten Rebanlage Ende 2001 erfolgte zunächst im Frühjahr 2002 die Erneuerung des Weinbergsweges und die Erichtung einer Trockenmauer. Im Juni 2002 erfolgte die Neubepflanzung mit den Rebsorten Riesling, Frühburgunder, Spätburgunder, Elbling und Malinger. Ende 2002 erfolgte die Errichtung des Drahtrahmens sowie das Setzen der Einzelpfähle und Ramhölzer. Die Gesamtzahl der Rebstöcke beträgt zur Zeit 2.632 Stück. Die Flächenaufteilung ist so erfolgt, dass die historischen Teilflächen unterhalb des Laubengangs liegen und die übrige Rebfläche oberhalb dieses Weges. Die Größe der historischen Teilflächen – die musterhaft den Weinbau früherer Zeiten darstellen – erlaubt zum einen die Anschauung der Unterschiede und zum anderen im Bedarfsfall noch eine sortenreine Weinbereitung. Die Anlage eines nahegelegenen "Ramholzbestandes" aus Rotbuchen zur späteren Erzielung der bis zum 18. Jh. im Weinbau typischen Naturpfähle wurde im März 2002 zusammen mit dem Forstamt auf 2.700 qm realisiert. Das Projekt des historischen Weinbergs am Jugendhof Rheinland ist in die modellhafte Konzeptentwicklung der "Kulturlandschaft Heisterbacher Tal" im Naturpark Siebengebirge eingebunden.


Die angebauten Rebsorten

Riesling
Der Riesling ist eine weit verbreitete weiße Rebsorte, aus der Spitzenweine gewonnen werden können. Sie wächst im oberen Bereich des Weinberges.

Spätburgunder
Der Spätburgunder stellt eine für das Siebengebirge typische Rotweinsorte des 20. Jh. dar, die ebenfalls im oberen Bereich des Weinberges stockt.

Weißer Elbling
Vorherrschende Weißweinsorte des Mittelalters war der starkwüchsige Weiße Elbling, eine mittelfrühe Sorte mit großen Trauben. Der Elbling wurde vom hochwertigeren Riesling verdrängt, aber einige Siebengebirgs-Winzer bauten diese Sorte noch bis 1959 an. Er wächst jetzt wieder im unteren Bereich des Weinberges.

Frühburgunder
Der Frühburgunder, eine seit Jahrhunderten im Siebengebirge bewährte rote Rebsorte, stockt ebenfalls im unteren Bereich des Weinberges. Im Mittelalter wurde im Siebengebirge neben Weißwein auch immer Rotwein (z.T. Drachenblut genannt) angebaut. Für die erste Hälfte des 18. Jh. wird Dollendorf als ausgesprochener Rotwein-Ort genannt.

Früher Malinger
Früher Malinger ist eine frühreifende weiße Rebsorte aus Frankreich, vor allem bei Kleinstwinzern im frühen 20. Jh. im Siebengebirge weit verbreitet. Der Anbau erfolgte vor allem wegen der frühen Reife der Trauben, die selbst in kühlen Sommern einen Wein ergaben.


Geschichte
Blick auf einen Weg zwischen den Weinstöcken sowie die Weinstöcke selbst.

Der erste sichere Nachweis über Weinbau am Siebengebirge stammt aus dem 9. Jh. In der Blütezeit des Weinbaus vom 14.-16. Jh. waren die Flächen von den Hängen bis zum Rhein hin mit Reben bestanden.

Das heutige Jugendhofgelände wurde im 12./13. Jh. gerodet und 1329 erstmals im Zusammenhang mit Weinbau urkundlich erwähnt: An dieser Stelle hatte das Zisterzienser-Kloster Heisterbach Rodungen vorgenommen, um am „Heisterberg" Weinbau zu betreiben. Seitdem wurde hier ununterbrochen Wein angebaut. Durch die Jahrhunderte wurden Haus, Hof und Weinberge als „Pfaffenröttchen" bezeichnet. Im Zuge der Verstaatlichung kirchlichen Besitzes (Säkularisation) wurde dieses Weingut 1803 eine Staatsdomäne, die dann 1823 an den Bonner Universitäts-Kurator Rehfues verkauft wurde, der hier einen Landsitz mit Weinschänke errichtete. 1860 kaufte der Fabrikant Caron das Pfaffenröttchen, benannte es in Haus Heisterberg um und baute ein schlossartiges Herrenhaus. Stets gehörten Weinberge zu dieser Liegenschaft. 1919 erstand O. Strauß die Liegenschaft und erweiterte die Weinberge. Haus Heisterberg war Mitglied des Weinbauvereins Siebengebirge und erhielt 1922 ein Ehrendiplom für „musterhafte Weinbergspflege". Von Bedeutung für den Weinanbau war in den dreißiger Jahren die Anlage des „Kellerberger Winzerweges", einem beliebten Wanderweg.

Schließlich erwarb im Jahr 1939 die Preußische Provinzialverwaltung das Anwesen. Bis 1953 bewirtschafteten Gärtner, Erzieher und Zöglinge eines Provinzial-Erziehungsheims den Weinberg. Der Landschaftsverband Rheinland übernahm die Liegenschaft 1953 und wandelte sie in eine Bildungsstätte des Landesjugendamtes um. Von 1953 bis 1967 bewirtschaftete der Winzerverein Oberdollendorf den Weinberg. Danach führte der Jugendhof Rheinland selbst die Bewirtschaftung durch und verkaufte die Trauben einem Weingut vor Ort.

Der Versuch in den siebziger Jahren, den Weinberg im Rahmen der Flurbereinigung „Siebengebirge II" zu einem lebensfähigen Winzerbetrieb zu vergrößern, konnte nicht realisiert werden. Seit 1983 wurde der Weinberg nur noch extensiv gepflegt und war schließlich Ende der neunziger Jahre abgängig. Eine Neuanlage und Weiterentwicklung unter kulturhistorischen Aspekten war die einzige Möglichkeit, um den Bestand dieser historischen Weinbaulage langfristig und nachhaltig sicherzustellen.


Kulturlandschaft und ökologische Bedeutung

Das Areal liegt im Naturpark Siebengebirge. Der Weinberg am Kellerberg ist der Einzige im gesamten Siebengebirge, der noch nicht von einer Flurbereinigung überprägt worden ist.

Bis auf den direkten Gebäudebereich liegt das Gelände des Jugendhofs Rheinland – und damit auch der Weinberg – vollständig im Bereich des Naturschutzgebietes Siebengebirge. Dieses entstand schon 1922 und ist damit das älteste Naturschutzgebiet in Deutschland.

Das milde Weinklima bietet die Voraussetzung für das Vorkommen vieler wärmeliebender Tier- und Pflanzenarten. Die großen Obstwiesen, die blütenreichen Wiesen und Weiden, naturnahe Laubwaldbestände, offene Brachflächen und der Weinberg bilden rund um den Jugendhof ein einzigartiges Lebensraumgefüge. Bei Untersuchungen der Flora und Fauna am Kellerberg hat sich die Vielfalt und die ökologische Bedeutung dieses Gebietes bestätigt.


Einbeziehung und Einbindung der Nachbarflächen

Unmittelbar neben dem Weinberg befindet sich eine Weinbergsbrache, die in den vergangenen Jahren der Verbuschung bewahrt wurde und als offene Brache erhalten wird. Deshalb beweidet zwei Mal jährlich eine Wanderschafherde diese Fläche, um aufkommendes Buschwerk zu verbeißen.

Diese Nachbarfläche soll in ihrem gegenwärtigen Zustand erhalten bleiben, weil der ökologische Wert solch offener Weinbergsbrachen sehr hoch anzusiedeln ist, zumal solche Flächen im Siebengebirge ansonsten kaum noch existieren und gerade sehr gefährdeten Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum bieten. Außerdem würde eine Verbuschung bis an den Weinberg zu einer unerwünschten Beschattung führen.


Weitere Entwicklung

Zukünftiger Projektträger der Maßnahme ist der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz.

Bis einschließlich 2004 erfolgt die Entwicklungspflege des Weinberges. Mit einem ersten Ertrag aus dem Weinberg ist 2005 zu rechnen. Für die Bearbeitung nach den Richtlinien des ökologischen Weinbaus wurde ein Fachmann gewonnen, der die Anlage unter Berücksichtigung der historischen Vorgaben bewirtschaftet.

Wesentliches Kriterium ist nicht die Erzielung eines maximalen Ernteertrages, sondern die Erhaltung der vielfältigen Flora und Fauna in dem Weinberg bei extensiver Wirtschaftsweise (Lage im Naturschutzgebiet). Nicht nur im Sinne des ökologischen Weinbaus, sondern auch wegen der Funktion als Lebensraum für Kleinstlebewesen und zur Vermeidung von Erosion soll die Bodenpflege des Weinbergs schonend erfolgen. Dies bedeutet, dass der Weinberg zeilenweise grün bleibt. Die Bodenpflege beschränkt sich daher neben zeilenweisem Grubbern auf das Mähen, Mulchen und das Einbringen organischer Dünger.

Nach der Weinlese soll die Kelterung mit historischem Gerät im Freilichtmuseum Kommern (im Gebäude des Kelterhauses aus Oberdollendorf!) erfolgen. Durch separaten Weinausbau soll die Weinbaulage „Niederdollendorfer Heisterberg" wiederbelebt werden.

Langfristig ist vorgesehen, im Rahmen eines Rundweges die historischen, kulturellen, ökologischen und weinbaulichen Entwicklungen der Siebengebirgsregion aufzuzeigen. Bei einem Anschluss des durch den Weinberg führenden Laubengangs an den ehemaligen Kellerberger Winzerweg, der am Schleifenweg in Oberdollendorf endet, könnte dieser als Verbindungsweg zwischen dem Jugendhof und Dollendorf benutzt werden.


Weiterführende Literatur

Kulturlandschaftlich-historische und ökologische Grundlagen zur Erhaltung und Weiterentwicklung der Weinbaulage „Heisterberg" im Siebengebirge.
In: Beiträge zur Landesentwicklung 54 (1998), S. 49 - 80. ISBN 3-7927-1738-7


Weitere Informationen und Kontakte

Zum Projektträger:

Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V.
Dr. Martin Bredenbeck
Tel.: (0221) 809 28 04

Landschaftsverband Rheinland
Martin Pflaum
Tel.: (0221) 809 25 84

Zur Bewirtschaftung:

Kay Thiel
53639 Oberdollendorf-Königswinter
Tel.: 0170 4173317

Zum Jugendhof Rheinland:

Ulrich Becker
Tel.: (02223) 70 09 50