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Sicht auf die Heisterbacher Klosterruine

Regionalverband Rhein-Main-Nahe

Veranstaltungen


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Pressemitteilung

Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz Regionalverband Rhein-Main-Nahe

Landesmuseum: „Steinhalle“ wieder zur Gänze als Ausstellungsraum

Die allein schon in ihren Dimensionen beeindruckende „Steinhalle“ des Landesmuseums darf nicht zur Abstellkammer für ausrangierte Plenarsaal-Möbel des Landtags werden. Mit dieser Forderung wendet sich der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftschutz (RVDL) gegen die Absicht, den anfangs nur temporär gedachten Plenarsaal-Ersatz nunmehr als Tagungsraum auf Dauer in der einstigen Reithalle des kurfürstlichen Marstall-Komplexes zu belassen.

„Die römischen Steindenkmäler gehören zu den bedeutendsten Sammlungen ihrer Art nördlich der Alpen. Ihre Wirkung entfalten sie nur in einem angemessen großen Raum“, betont Dr. Günther Stanzl als denkmalfachlicher Sprecher des RVDL-Regionalverbandes Rhein-Main-Nahe. Die nunmehr auf Dauer angedachte Halbierung der Ausstellungsfläche mindere nicht nur diese Wirkung. Sie beeinträchtige auch den Zeugniswert eines barocken Raums, der hinsichtlich seiner ursprünglichen Zweckbestimmung als Reithalle in unserer Region Unikatcharakter besitze.

„Nicht zuletzt ginge das Belassen der alten Plenarsaal-Möbel zu Lasten des Museums, da es dessen Entfaltungsmöglichkeiten auf mittlere Sicht merkbar einschränkt“, ergänzt Hartmut Fischer als Vorsitzender des Regionalverbandes. Der Rheinische Verein unterstütze deshalb die in die gleiche Richtung zielende Initiative des Mainzer Altertumsvereins vom Juli vorigen Jahres und die jüngst vom Deutschen Verband der Archäologen erhobene Forderung, die „Steinhalle“ wieder zur Gänze dem Landesmuseum als Ausstellungsraum zu überlassen.

Mainz, 23.4.2021


Pressemitteilung

Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz Regionalverbände Rhein-Main-Nahe und Rhein-Mosel-Lahn

Loreley: Chance für Welterbeverträglichkeit, Tourismus und Kulturlandschaft

Im Rückzug der Loreley-Investoren von ihrem großdimensionierten Bauprojekt sieht der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL) eine große Chance für das Welterbegebiet „Oberes Mittelrheintal“. Die Vorsitzenden der beiden RVDL-Regionalverbände Rhein-Main-Nahe und Rhein-Mosel-Lahn, Hartmut Fischer und Dr. Martin Bredenbeck, appellieren an die verantwortlichen Kommunalvertreter, jetzt die Weichen zu stellen für mehr Bescheidenheit, für eine deutlichere Hinwendung zu allen relevanten Tourismussparten und für eine architektonische Formensprache, deren Kennzeichen hohe Qualität mit regionaltypischer Ausprägung sein müsse. Dazu böte der zurzeit rechtsverbindliche Bebauungsplan durchaus einen geeigneten Rechtsrahmen.

Nach Meinung der beiden RVDL-Regionalverbände sollte unabhängig davon die vorschnell erfolgte Aufgabe des Campingplatzes nochmals hinterfragt werden. Gerade der Campingtourismus befände sich erneut im Aufschwung und sei auf eine ausreichende Zahl an attraktiven Plätzen angewiesen. Einen solchen Platz wie bisher wieder landschaftsgerecht einzubinden sei sicher kein Hexenwerk.

Da die bisherigen Investoren weiterhin als Bodeneigentümer fungierten, gelte es jetzt zu verhindern, dass das fragliche Flurstück zum Gegenstand bodenspekulativer Überlegungen werde: „Sollte sich diese Gefahr konkretisieren, müssten alle Möglichkeiten des Baugesetzbuches ausgeschöpft werden, um dem einen Riegel vorzuschieben“, fordern die beiden RVDL-Regionalverbandsvorsitzenden. In diesem Zusammenhang sollt man auch eine neuerliche Bebauungsplanänderung nicht von vornherein ausschließen.

Mainz und Koblenz, 16.4.2021


Pressemitteilung

Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz Regionalverband Rhein-Main-Nahe

Landesgartenschau ins Gonsbachtal

Die Landesgartenschau 2026 gehört ins Gonsbachtal. Mit dieser Empfehlung richtet sich der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL) an die Mainzer Entscheidungsträger. Eine Landesgartenschau müsse Besucher nämlich auch von weither anlocken. „Dies gelingt nur, wenn es auf dem Gartenschaugelände zu spektakulären Verbesserungen der bisherigen Situation kommt“, meint Landschaftsarchitekt Klaus Bierbaum als naturschutzfachlicher Sprecher des RVDL-Regionalverbandes Rhein-Main-Nahe.

Eine solchen Verbesserungschance sieht Bierbaum im Gonsbachtal: „Dieser erstaunlich umfangreiche Grünzug bildet einen der schönsten siedlungsumschlossenen Talräume im Rhein-Main-Gebiet.“ Obwohl es sich um ein Landschaftsschutzgebiet handele, prägten sein Bild aber auf weiten Strecken immer noch Bretterverschläge, illegale Hütten, zusammengezimmerte Einfriedungen und Lagerflächen für allerlei ausrangierte Utensilien: „Dazu kommt, dass der Gonsbach an nicht wenigen Stellen weiterhin in ein enges Betonkorsett eingezwängt ist.“

Eine Landesgartenschau böte die Chance, sowohl den partiell bereits eingeschlagenen Weg der ökologischen Aufwertung konsequent weiterzugehen als auch ein Landschaftserlebnis zu schaffen, das so siedlungsnah woanders nur selten anzutreffen sein dürfte. Auf den bisher in Rede stehenden Freiflächen im Stadtgebiet seien Verbesserungen gleichen Umfangs kaum zu erwarten. Allenfalls noch der Grünzug Wildgrabental, Schafstriebweg und Zaybachtal mit den Elementen ehemalige Ziegelei, Geschichte (Römersteine) und Friedhof käme eventuell als Alternative infrage.

Mainz, 5.4.2021


Rathaus Mainz


Offener Brief Sanierung des Mainzer Rathauses / Fassadenmaterial (20.10.2020)

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

das Mainzer Rathaus besitzt als herausragendes Bauzeugnis der 1960/70er Jahre europäischen Rang. Dies gilt erst recht angesichts der Tatsache, dass die Baugestalt mit allen Konventionen ihrer Zeit bricht und ihr insoweit ein singulärer Charakter zukommt. Als ein Spezifikum des Gebäudes erweist sich auch der an den Fassaden des gesamten Baukomplexes einschließlich Brückenturm verwendete Porsgrunn-Marmor.

Nach den in der Presse zitierten Aussagen des von der Stadt Mainz beauftragten Planers Dr. Stefan Nixdorf vom Büro agn hätte sich herausgestellt, dass Porsgrunn-Marmor als Fassadenmaterial ungeeignet sei. Maßgebliche Fachleute wie der seinerzeit am Rathaus tätige Bauleiter, Architekt H. Reyels, haben allerdings bei einem Roundtable-Gespräch in der Direktion Landesdenkmalpflege vor zwei Jahren dargelegt, dass bei Porsgrunn-Platten mit einem gegenüber heute deutlich größeren Querschnitt durchaus mit einer ausreichenden Lebensdauer zu rechnen sei.

Aus gutem Grund verlangt das rheinland-pfälzische Denkmalschutzgesetz, dass die Gemeinden bei ihren Maßnahmen die Belange des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege zu berücksichtigen haben. Dies bedeutet nicht zuletzt, dass Änderungen des Erscheinungsbilds eines Denkmals oder Eingriffe in dessen Substanz „auf den unbedingt notwendigen Umfang“ zu beschränken sind. Wenn sich schon an den Fassaden ein Substanzerhalt nicht ermöglichen lässt, so sollte doch zumindest eine Materialauthentizität angestrebt werden. Es liegt deshalb nahe, alles zu versuchen, was eine neuerliche Fassadenverkleidung mit Porsgrunn-Marmor möglich macht. Falls sich dies als unmöglich herausstellen sollte, muss in jedem Fall nach einer mit dem Porsgrunn-Marmor materialästhetisch und farblich gleichwertigen Natursteinvariante gesucht werden. Ästhetisch nicht überzeugende Lösungen wie die diskutierte Keramikvariante sollten bei einem so hochkarätigen Bauwerk ausgeschlossen werden. Wegen ihrer minderen Qualität sind sie auch keine nachhaltige Investition in den künftigen Bestand des Mainzer Rathauses, sondern provozieren in einigen Jahren erneut die Frage nach einer – dann erst recht kostspieligen – Neuverkleidung des Rathauses.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, der Rheinische Verein wäre Ihnen außerordentlich dankbar, wenn Sie auch im Interesse der internationalen Reputation von Mainz erreichen könnten, dass aus den vorgenannten Gründen die Frage des Fassadenmaterials unter besonderer Berücksichtigung des denkmalrechtlichen Eingriffsminimierungsgebots nochmals einer vertieften Prüfung unterzogen wird.

Bei dieser Gelegenheit erlauben Sie mir auch die Bemerkung, dass weniger die Forderungen des Denkmalschutzes als vielmehr eine jahrzehntelange Unterlassung von Sanierungsmaßnahmen das Mainzer Rathaus zu einem teuren Bauprojekt haben werden lassen. Die dafür aufzuwendenden Kosten sind aus unserer Sicht jedoch gut investiertes Geld, kommen sie doch einem Bauwerk zugute, das nicht nur ein gesichts- und geschichtsloser Bürocontainer ist, sondern das wichtigste Baudenkmal für das nach dem Zweiten Weltkrieg wiedererstarkte bürgerliche Mainz! Spätere Generationen werden dessen denkmalgerechten Erhalt vermutlich genauso wertschätzen wie den Erhalt des Mainzer Doms als herausragendes Baudenkmal für das mittelalterlich-frühneuzeitliche Mainz.

Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Matthias Müller
stellv. Vorsitzender des Gesamtverbands des RVDL


Offener Brief an Herrn Oberbürgermeister von Mainz, Michael Ebling

Offener Brief zum Sanierungsvorgang des Kulturdenkmals Mainzer Rathaus

Das Rathaus ist das Mainzer Kulturdenkmal des 20. Jahrhunderts und maßgeschneidertes Symbol des demokratischen Mainz

Das Mainzer Rathaus ist ein Gesamtkunstwerk mit internationaler Strahlkraft

Sein gesamtgestalterisches Raumkonzept und seine bauhistorischen Interieurs sind wesentlich für den Denkmalwert

Die enorme Bedeutung des Kulturdenkmals erfordert eine intensive und stetige Kommunikation zwischen der Stadt Mainz und ihrer Bevölkerung

Instandsetzung, Re- und Downcycling sowie Förderung der Akzeptanz als nachhaltige Prämissen

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Michael Ebling,
sehr geehrte Frau Dezernentin für Bauen, Denkmalpflege und Kultur Marianne Grosse,
sehr geehrte Fraktionsvorsitzende des Mainzer Stadtrats,
sehr geehrte Damen und Herren des Planungsbüros agn,

die Auslobung des Architekturwettbewerbs für das Mainzer Rathaus im Jahr 1967 forderte eine symbolkräftige Architektur, die den Willen zu einer selbstbestimmten und selbstbewussten Gesellschaft zum Ausdruck bringt. In diesem Sinne entwarfen die dänischen Architekten Arne Jacobsen und Otto Weitling ein für diese Zeit untypisches und einzigartiges Rathaus, dessen ganzheitlicher Gestaltungsanspruch vom Städtebau über die Fassade bis in die Details der Innenausstattung bis heute erlebbar ist. Alle Materialien sind sorgfältig aufeinander abgestimmt. Sogar die hochwertige und umfassende Ausstattung – mit Einbauschränken, modularen Stellwänden, Stühlen, Leuchten und Wanduhren – ist von den Architekten entworfen und hat einen maßgeblichen Anteil an der Begründung des Denkmalrangs. In der internationalen Fachwelt gilt das Mainzer Rathaus damit als Ikone der deutschen Nachkriegsarchitektur und auch von großen Teilen der Mainzer Bevölkerung wird sein identitätsstiftender Wert als Kulturdenkmal anerkannt, wie der Protest gegen einen möglichen Bürgerentscheid über einen Abriss zeigte.

Mehr Transparenz und Dialog im Planungsprozess

Trotz der Unterschutzstellung durch die Landesdenkmalpflege im Jahr 2006 ist der umfassende Erhalt des Gesamtkunstwerks Mainzer Rathaus weiterhin ungewiss. Die Kommunikation seitens der Stadt geht über die Veröffentlichung der Protokolle der Stadtrats- und Beiratssitzungen und der grundständigen Dokumentation des Baubestands nicht hinaus. Die letzte Veröffentlichung von nicht detaillierten Plansätzen sowie Kostenkalkulationen für verschiedene Varianten stammt noch vom Juni 2017.1 Auch wenn wir mit großer Freude zur Kenntnis genommen haben, dass das gesamte Mobiliar in einem Depot eingelagert werden soll, um es wieder im Rathaus zum Einsatz zu bringen,2 so stehen entscheidende Fragen zum Umgang mit dem bauzeitlichen Bestand noch aus und drohen unter mangelnder Berücksichtigung denkmalpflegerischer Grundsätze sowie unter Ausschluss der Öffentlichkeit beschlossen zu werden. Die Entscheidungsgründe sowie konkreten Planungsdetails zu den Sanierungsmaßnahmen – darunter auch einschneidende Neuerungen wie das geplante Bürgerforum sowie Veränderungen des Raumprogramms, die insbesondere die Ausstattung betreffen dürften – werden vorenthalten.
Fehlende Transparenz und unzureichende Informationen über den Planungsprozess bei Mainzer Bauvorhaben führten bereits in der jüngeren Vergangenheit zu Unmut und Protest bei der Bevölkerung, wie das Beispiel der „Bibelturm“-Planungen für das Gutenberg-Museum gezeigt hat. Das weitgehend intransparente Vorgehen ist aber gerade bei einem so bedeutenden und dazu öffentlichen Baudenkmal wie dem Mainzer Rathaus erst recht nicht akzeptabel.
Der Öffentlichkeit wird derzeit seitens der Stadt keine Möglichkeit geboten, den Stand der jeweils aktuellen Detailplanung einzusehen und den damit verbundenen Gedankenaustausch außerhalb der Beiratssitzungen nachzuverfolgen. Die letzte Beiratssitzung zum Thema der Rathaussanierung fand überdies vor acht Monaten im Januar 2020 statt. Es ist die Aufgabe des Oberbürgermeisters (der die Sanierung des Rathauses zur Chefsache erklärt hat), den Dialog zwischen Planungsdezernat und interessierten Mainzer*innen zu stärken und für Transparenz zu sorgen.
Zu dieser Öffentlichkeit zählen nicht nur die Mainzer Bürger*innen, sondern auch denkmalpflegerisch oder architekturhistorisch ausgewiesene Expert*innen, deren Einbeziehung für alle Seiten eine Bereicherung ist, da sie mittels professioneller Beurteilungen sowohl der Sanierungsplanung beratend beistehen als auch fachspezifisches Wissen und Informationen angemessen an die Öffentlichkeit vermitteln können.3
Wie aus einzelnen Presseberichten hervorgeht, werden die denkmalpflegerischen Belange im Detail zwischen Stadt und Landesdenkmalpflege verhandelt. Bei einem so wertigen Gebäude ist jedoch ein kontinuierlicher Abstimmungsprozess unabdingbar, der neben den Vertretern der Stadt, des Planungsbüros als Client der Stadt und der Landesdenkmalpflege auch interdisziplinäre Expert*innen, wie etwa zum Thema nachhaltige Sanierung, mit einbezieht. Durch eine solche Anpassung des Entscheidungsprozesses ließe sich zudem der Kritikpunkt einer zeitlichen Verzögerung des Sanierungsvorhabens und der damit verbundenen höheren Kosten vermeiden. Zentrale Aufgabe muss es sein, den Charakter und die Substanz des bedeutendsten Baudenkmals des 20. Jahrhunderts in Mainz für uns und die nachfolgenden Generationen zu bewahren.

Nicht nur im Zweifel für den Bestand

Eine denkmalgerechte Instandsetzung, wie sie aufgrund des Denkmalschutzgesetzes gefordert ist, bedeutet insbesondere beim Mainzer Rathaus die Erhaltung der inneren Raumstruktur sowie der hochwertigen und einmaligen Ausstattung. Wichtige Fragestellungen, gerade in Bezug auf zeitgemäße Arbeitsplatzkonzepte und daraus resultierende Veränderungen an der bauzeitlichen Substanz, werden seitens der Stadt weder öffentlich diskutiert noch ausreichend kommuniziert.

Dabei wird der Denkmalrang dieses Gesamtkunstwerkes auch maßgeblich vom Material- und Farbkonzept getragen. Im Vordergrund stehen Türen und Wandverkleidungen vornehmlich aus gedämpfter Buche sowie Einbaumöbel an den Flurseiten der Büroräume aus Massivholz. Weitsichtigkeit bewiesen Jacobsen und Weitling auch bei der beweglichen Struktur durch Modulwände, mit denen sich die Büros in drei verschiedene Größen unterteilen lassen, ohne die Einbaumöblierung zu beeinträchtigen – vorausgesetzt, das vorgesehene Raster wird beibehalten.

Da der bauzeitliche Bestand im Gebäude unterschiedlich gut erhalten ist, muss die Sanierungsplanung sehr differenziert darauf reagieren und die Bewahrung des erhaltenen Interieurs – und sei sie auch nur fragmenthaft – höchste Priorität haben. Die Gesamtheit von Büroausstattung, funktionalen Zusammenhängen und einer originären Anmutung der Räume lassen zukünftig mehr Rückschlüsse auf die architektonische Intention zu als das Musealisieren einzelner, möglicherweise vollständig erhaltener Räume in anderen Geschossen. Dies zeigt das sehr gelungene Gutachten von strebewerk. Architekten, das es nun als Raumbuch fortzuschreiben gilt. Eine Banalisierung der hochwertigen Raumqualität des bauzeitlichen Bestandes ist bereits in der Cafeteria im Obergeschoss als Negativbeispiel sichtbar. Dieses wurde vor 2006 ohne Einbeziehung ausgewiesener Expert*innen aus der interdisziplinären Forschung zum Mainzer Rathaus „im Zuge einer unsensiblen Modernisierung nachteilig verändert“, weiteres originales Interieur durch vermeintlich freundlichere Farben und Materialien ersetzt sowie die ursprüngliche Raumwirkung zerstört.4

Nachhaltigkeit beginnt im Kleinen

Nachdem der Gesamterhalt des Gebäudes nicht mehr in Abrede steht, kommt es jetzt auf die Details an! Die Frage nach dem Wie der Sanierung muss heutzutage auch unter den unterschiedlichen Aspekten der Nachhaltigkeit beantwortet werden – Instandsetzung, Re- und Downcycling sowie durch Akzeptanz. Ein nachhaltiger, sensibler Umgang bedeutet zuallererst, den bauzeitlichen Bestand zu erkennen, zu würdigen und dessen Instandsetzung zum primären Ziel der Planung zu erklären. Im Gegenzug schließt eine nachhaltige Instandsetzung aus, sich von kurzlebigen Trends bei Arbeitsplatzkonzepten zuungunsten der ganzheitlich durchdachten Gestaltung durch Arne Jacobsen leiten zu lassen. Wichtige Veränderungen, die zu einer – im wahrsten Sinne des Wortes – langlebigen Verbesserung der Arbeitssituation beitragen, wie etwa die technische Aktualisierung, müssen sich dem bauzeitlichen Bestand verschreiben, statt gegen ihn zu arbeiten.
Bei ressourcenorientierten Sanierungen stellt darüber hinaus die Wiederverwendung von Baumaterialien, die ersetzt werden müssen, wie dies bei der Fassadenverkleidung aus norwegischem Marmor der Fall ist, ein großes Potenzial dar. Eine Variante ist das Downcycling des wertvollen Materials, der mittels Pulverisierung und mit Zuschlägen zu einem Kunststein verarbeitet und unter „Wahrung der denkmalkonstituierenden Eigenschaften“ wiederverwendet werden könnte.5 Obwohl von der Landesdenkmalpflege bereits grünes Licht gegeben wurde, verschwand die Variante ohne Begründung aus der Debatte in den Beiratssitzungen. Dabei ist diese Variante im Sinne der Nachhaltigkeit ein innovatives Beispiel für die Nutzung bestehender Ressourcen vor Ort und für den Verzicht auf den CO²-intensiven Abbau eines neuen Steins.
Zuletzt ist es auch eine Frage des Willens das Mainzer Rathaus als Kulturdenkmal und als Bestandteil der eigenen Identität mit Respekt und auch einer gewissen Demut gegenüber dem Bestand zu entwickeln. Dieser Prozess muss mit der Mainzer Öffentlichkeit bestritten und die Entscheidungsgründe für sie nachvollziehbar aufbereitet werden. Nachhaltige Akzeptanz beginnt nicht mit dem von oben herab entschiedenen Ergebnis, sondern mit Partizipation und Teilhabe.6

Appell

Lassen Sie die Möglichkeit nicht verstreichen, einen Beitrag zum nachhaltigen Sanieren an einem der wichtigsten Monumente der Stadt Mainz zu leisten. Dem Entschluss zur Sanierung ging bereits eine lange Zeit der Untätigkeit voraus. Dennoch legitimiert dies keinen vorschnellen und kurzsichtigen Aktionismus. Ein so anspruchsvolles und gesamtgestalterisches Raumkonzept wie jenes des Mainzer Rathauses verdient einen ebenso durchdachten wie respektvollen Sanierungsplan. Ein solcher bedarf jedoch Zeit, um alle Interessen berücksichtigen zu können und die Fachwelt zum Kulturdenkmal willentlich in den Sanierungsprozess einzubinden.

- eine Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Mainz, die diesem Monument und seiner bauzeitlichen Ausstattung den entsprechenden Respekt zollt und die Mainzer*innen über das gesetzliche Minimum hinaus mit einbezieht

- eine dem Kulturdenkmal wohlgesonnene Abwicklung des Planungsprozesses, die eine Zusammenarbeit aller Akteure auf Augenhöhe garantiert, insbesondere der interdisziplinären Expert*innen

- kontinuierliche, öffentliche Präsentationen über den geplanten Umgang mit dem bauzeitlichen Interieur und die angedachten Lösungsansätze

Jetzt ist der Moment gekommen, in dem Sie über die zukünftige Wahrnehmung und Rolle des Rathauses für die kollektive Identität der Mainzer*innen entscheiden dürfen. Wer stark in den bauzeitlichen Bestand eingreift, verletzt die Gesamtkonzeption und Einzigartigkeit des Kulturguts. Wer hingegen rücksichts- und würdevoll mit dem Erbe der Stadt Mainz umgeht, kann sich auch in Zukunft mit einem Juwel der Nachkriegsarchitektur schmücken. Der weitestgehende Erhalt des bauzeitlichen Interieurs sollte in den Augen der Architekten und Stadtspitze nicht Last, sondern Antrieb sein.

Gez.
DIE BETONISTEN – Initiative zur Vermittlung der Architektur der Nachkriegszeit

Mitglied der Arbeitsgruppe „Nachkriegsarchitektur im Rheinland“ des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e. V.

Eva Authried, Jonas Grahl, Paulina Knodel, Dr. Leonie Köhren, Jennifer Konrad, Maximilian Kürten, Leonie Matt, Nastja Müller, Katharina Seubert-Lange

• •

1 Speziell für das 5. OG sowie das Bürgerforum bietet die Präsentation von agn im Protokoll der 4. Beiratssitzung keine Darstellung einer konkreten Ausführungsplanung und bleibt insbesondere in den Details ungenau.
2 Diesbezüglich wird ein Depotkonzept auf der Homepage zur Rathaussanierung unter der Rubrik „Aktuelles“ erwähnt, das jedoch nicht einsehbar ist: https://www.mainz.de/verwaltung-und-politik/verwaltungsorganisation/rathaussanierung.php#c3 [20.08.2020]
3 Die Liste mit Forschungsbeiträgen und Aktionen, die der Vermittlung der Wertigkeit des Mainzer Rathauses dienen, ist lang (siehe Anhang). Dass keiner dieser Expert*innen den Planungsprozess begleitet, lässt vermuten, dass deren Ergebnisse nicht in gebührendem Maße in die Sanierungsplanung mit einbezogen werden.
4 Matthias Müller, Gregor Wedekind: Das Mainzer Rathaus von Arne Jacobsen. Politische Architektur in der deutschen Nachkriegsmoderne. Regensburg: Schnell & Steiner 2014, S. 151.
5 Roswitha Kaiser: „Ein digitales Raumbuch für das Rathaus“, in: Die Denkmalpflege, Jg. 77, 2019, Nr. 2, S. 198 f.
6 Die Möglichkeit für diese Öffentlichkeit, am Sanierungsprozess zu partizipieren, stellte sich nur und zuletzt 2013/14.

Unterstützer des offenen Briefes
Daniel Bartetzko, moderneREGIONAL
Dr. Karin Berkemann, moderneREGIONAL
Prof. Dipl.-Ing. Heribert Hamann, Hochschule Mainz
Dr. Sascha Köhl, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Univ.-Prof. Dr. Matthias Müller, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Runder Tisch Stadtbaukultur, Mainz

Diesen Brief erhalten zeitgleich die lokalen und überregionalen Medien sowie die Fachpresse.

Forschungsbeiträge und Vermittlungsaktionen zum Mainzer Rathaus
(nach Erscheinungsjahr; ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Kürten, Maximilian: „Das Mainzer Rathaus – eine beziehungsreiche Architektur“, in: Gesamtkunstwerke: 7 Arbeiten von Arne Jacobsen & Otto Weitling in Deutschland, hrsg. von The Link Berlin, Ausst.-Kat, Nordische Botschaften Berlin, Berlin 2020.

Dokumentation der Rathausfassade, eine Studie des Architekturinstituts der Hochschule Mainz. Online-Publikation: https://architekturinstitut.hs-mainz.de/projekte/rathausfassade-mainz/ [13.08.2020]

Kaiser, Roswitha: „Ein digitales Raumbuch für das Rathaus“, in: Die Denkmalpflege, Jg. 77, 2019, Nr. 2, S. 198 f.

strebewerk. Architekten (Dr.-Ing. Elke Nagel M.A., Dr. Julia Feldtkeller M.A.): Rathaus Mainz. Bauhistorisches Kurzgutachten zum aktuellen Bestand, 2018/2019. Online-Publikation: https://www.mainz. de/medien/internet/downloads/Rathaussanierung-Digitales-Raumbuch-Kurzgutachten-14.02.2019.pdf [20.08.2020]

Köhl, Sascha: Eine Rede wert: das Mainzer Rathaus, Vortrag gehalten am 2. Februar 2018 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Mazzoni, Ira: „Bürgernaher Blödsinn“, in: Süddeutsche Zeitung, 27.11.2017.

Statements, Blogbeiträge und Aktionen der Initiative Die Freunde des Mainzer Rathauses seit 2017. [https://mainzerrathaus.jimdofree.com/blog/]

Denkmal, Bau, Kultur. Konservatoren und Architekten im Dialog, Kolloquium anlässlich des 50jährigen Jubiläums von ICOMOS Deutschland, 26.-28.11.2015 [Mainzer Rathaus], Berlin 2016, u. a. mit Beiträgen und Statements zum Mainzer Rathaus von Joachim Glatz, Roswitha Kaiser, Thomas Metz und Gerold Reker.

Mainzer Erklärung von ICOMOS Deutschland zur denkmalgerechten Sanierung des Rathauses von Arne Jacobsen und Otto Weitling, Schreiben an Oberbürgermeister Ebling und die Mainzer Stadtratsfraktionen vom 28. November 2015.

Das Mainzer Rathaus von Arne Jacobsen. Politische Architektur in der deutschen Nachkriegsmoderne, hrsg. von Matthias Müller / Gregor Wedekind, Regensburg 2014.

Durth, Werner: Rathaus Mainz, Vortrag gehalten am 25. Januar 2013 im Rathaus Mainz im Rahmen einer Bürgerinformation.

Metzendorf, Rainer: „Mainz und sein Rathaus. Eine unendliche Geschichte?“, in: Mainz – Vierteljahreshefte für Kultur, Politik, Wirtschaft, Geschichte, Mainz 2013, S. 64-71.

Reichel, Alexander: Architektur mit Verfallsdatum? Eine ökonomisch-ökologische Annäherung ans Mainzer Rathaus, Vortrag gehalten am 31. Januar 2013 im Zentrum Baukultur, Mainz.

Glatz, Joachim: „Das Mainzer Rathaus von 1973 – ein Denkmal, aber ungeliebt“, in: Klötze und Plätze – Wege zu einem neuen Bewusstsein für Großbauten der 1960er und 1970er Jahre, Bonn 2012, S. 110 ff.

Hollenstein, Roman: „Das Mainzer Rathaus von Arne Jacobsen und Otto Weitling“, in: Neue Zürcher Zeitung, 4.7.2012.

Maier-Solgk, Frank: „Mainz – das moderne Monument“, in: Bauwelt, 40-41.2012, S. 30-35.

Zwischen Scheibe und Wabe. Verwaltungsbauten der Sechzigerjahre als Denkmale, Berichte zu Forschung und Praxis der Denkmalpflege in Deutschland, hrsg. von VdL - Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland, Bd. 19, Wiesbaden 2012.

Die Mainzer und ihr Rathaus. Bilder und Texte zu Geschichte und Kultur der Stadt, hrsg. im Auftrag der Stadt Mainz von Anton Maria Keim / Friedrich Schütz, Mainz 1984.

„Rathaus Mainz“, in: DBZ Deutsche Bauzeitschrift - Architektur, Entwurf, Detail, 1, 1975, Gütersloh, S. 37-40.

Joedicke, Jürgen: „Zu Mainz am Rhein, Sonderdr. Mainzer Rathaus“, in: Bauen und Wohnen, 11, 1974, München, S. 471-480.

Das Mainzer Rathaus, hrsg. von Bruno Funk / Wilhelm Jung im Auftrag der Stadt Mainz, Mainz 1974.

„Rathaus in Mainz“, in: db Deutsche Bauzeitung, 11, 1969, Stuttgart, S. 817.

„Arne Jacobsens Spiel mit Diagonalen – Wettbewerb Rathaus und Geschäftszentrum Mainz“, in: Bauen und Wohnen, 10, 1968.


Zeitungsausschnitt

AZ 27.11.2017

Brief RVDL an Rathaus Mainz (PDF, 263 KB)


Plätzchen-Aktion

Studenten haben eine Initiative „Freunde des Mainzer Rathauses“ gegründet und Plätzchen in Formen von Bauteilen des Rathauses an die Stadtratsmitglieder verteilt.


Plätzchenaktion vor dem Rathaus Mainz

Tätigkeitsbericht 2019

Tätigkeitsbericht (PDF, 311 KB)


Vorstand

Hartmut Fischer
Vorsitzender

Klaus Bierbaum

Horst Maurer

Adam J. Schmitt

Dr. Günther Stanzl


Kontakt

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Untere Zahlbacher Straße 21
55131 Mainz
Tel. (06131) 669 25 0 und 0171 75 00 756
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Rembrandtstraße 56
Tel. (06131) 737 73 und 0151 55 57 33 17
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Münzthaler Grund 10
55413 Weiler
Tel. (06721) 99 32 82
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Dr. Günther Stanzl
An den Frankengräbern 13
55129 Mainz
Tel. (06131) 50 75 29
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Horst Maurer
Niehuisweg 2a
55413 Oberdiebach
Tel. 06743 - 2355
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