Werden Sie gemeinsam mit uns aktiv für Baukultur, Denkmalpflege und Kulturlandschaft!

Sicht auf die Heisterbacher Klosterruine

Regionalverband Rhein-Erft

Mitgliederversammlung Regionalverband Rhein-Erft

Nach mehr als zweijähriger, vor allem pandemiebedingter Pause fand am 29. Oktober 2021 wieder eine Mitgliederversammlung des Regionalverbandes Rhein-Erft statt, an der gut 20 Personen teilnahmen. Tagungsort war der Dorothea-Tanning-Saal im Max Ernst Museum Brühl des LVR. Das bot Gelegenheit, mit einer sehr informativen, dialogorientierten Führung durch die aktuelle Sonderausstellung „Surreale Tierwesen“ zu beginnen. Ein kleiner Imbiss leitete zur eigentlichen Mitgliederversammlung über, zu der Rudolf Conrads für den Gesamtverein und Dr. Ulrich Stevens für den Regionalverband die Teilnehmenden begrüßten.

Anschließend berichtete Dr. Ulrich Stevens über die Tätigkeiten des Regionalverbandes, die trotz der Einschränkungen möglich waren. Zum einen sind Stellungnahmen zu einem Bebauungsplan erarbeitet worden, der eine Erweiterung der Bauflächen in Brühl-Schwadorf vorsieht. Diese würden die Freiflächen in unmittelbarer Nachbarschaft der Baudenkmäler Strauchshof und Schallenburg in Anspruch nehmen und dicht an die Sichtverbindung zwischen der Welterbestätte Schloss Augustusburg und der Burg heranrücken; dass dadurch Begehrlichkeiten geweckt werden, die Bebauung auch in die Sichtachse auszuweiten, ist aller Erfahrung nach nicht auszuschließen. Als Gegenargument wird immer wieder die nicht zu bestreitende Beeinträchtigung des Freiraums zwischen Augustusburg und Schwadorf durch die Trasse der Autobahn 553 genannt. Allerdings stellt das Parkpflegewerk für den Schlosspark trotzdem die Bedeutung dieses Freiraums heraus. Deswegen hat der Regionalverband das Centre du patrimoine mondial der UNESCO angeschrieben.

Die konkret befürchtete Beeinträchtigung des Welterbes ist das eine. Eine grundsätzliche Problematik ergibt sich zusätzlich daraus, dass die Planung die möglichen Einflüsse auf die Denkmäler und die Kulturlandschaft nicht einmal benennt. Eine Abwägung ist den entscheidenden Gremien daher nicht möglich.

Dies trifft ebenfalls auf eine Planung zur Verlängerung der Stadtbahn von Bocklemünd oder Weiden West über Brauweiler und Glessen nach Niederaußem zu. Hier gibt es bislang zwar lediglich eine Vorstudie, aber unter den darin benannten Restriktionen sind zwar Landschaftsschutzgebiete und Golfplätze benannt, nicht aber der rechtskräftige Denkmalbereich Freimersdorf. Dabei wird gerade dieser durch die vorgeschlagene Trassenführung durchschnitten. Eine Stellungnahme des Regionalverbandes dazu ist in Arbeit.

In einem dritten Fall hat der Regionalverband eine Bürgerinitiative unterstützt, die sich gegen eine weitere Bebauung des Daberger Hangs in Brühl neben den bestehenden Bundesakademien gewehrt hat. Nachdem außer diesen Einwendung der von der Stadt beauftragte und gerade vorgestellte „Masterplan Freiraum“ die Bedeutung der hier bestehenden Frischluftschneise aufgezeigt hat, beschloss der Stadtrat, auf den erforderlichen Bebauungsplan zu verzichten.

Nachdem in der letzten Mitgliederversammlung von 2019 kein neuer Vorstand gewählt werden konnte, war eine erneute Wahl ein wichtiger Punkt der Tagesordnung. Unter der souveränen Leitung von Rudolf Conrads fand diese statt. Unter den Anwesenden waren 10 Wahlberechtigte.

Für das Amt des Vorsitzenden hatte sich kein Kandidat gefunden, so dass diese Position vakant bleibt. Als stellvertretende Vorsitzende wurden Karl-Ernst Forisch mit 9 Ja-Stimmen und 1 Enthaltung, Dr. Ulrich Stevens mit 9 Ja-Stimmen und 1 Enthaltung und Michael Zöphel mit 7 Ja-Stimmen und 3 Enthaltungen gewählt. Zu Beisitzern wurden Rolfjosef Hamacher mit 8 Ja-Stimmen und 2 Enthaltungen sowie Prof. Wilhelm Zimmermann mit 8 Ja-Stimmen und 2 Enthaltungen gewählt. Alle Kandidaten erklärten, dass sie die Wahl annehmen würden. Karl-Ernst Forisch, der in Abwesenheit gewählt wurde, hatte diese Erklärung schon im Vorfeld der Wahl abgegeben. Leider hatten sich trotz mehrfacher Aufforderung keine weiblichen Kandidatinnen zur Wahl gestellt.

Auf die Mitgliederversammlung folgte ein Vortrag von Prof. Dr. Barbara Schock-Werner, der ehemaligen Kölner Dombaumeisterin. Sie berichtete über ihre Untersuchungen zur Abtei Brauweiler, wobei ein Schwerpunkt auf baulichen Details und der Bauskulptur des 12. und 13. Jahrhunderts lag. Der anregende Vortrag zeigte manches Neue auf und machte deutlich, welches Kleinod die frühere Benediktinerabtei in der unmittelbaren Umgebung von Köln darstellt. Das von der Referentin dazu verfasste Buch sowie weitere Literatur konnte an einem Stand der Brühler Buchhandlung Karola Brockmann erworben werden.

Insgesamt ist allen zu danken, die zum Gelingen der Mitgliederversammlung beigetragen haben. Außer den unmittelbaren Teilnehmenden sind das Veranstaltungsmanagement des LVR, kulturinfo rheinland, Karola und Ulrich Brockmann sowie für den Imbiss das Brühler Wirtshaus am Schloss zu nennen.

Dr. Ulrich Stevens


Unterschriftenaufruf

Im Rahmen der Offenlegung der Bauplanung in Brühl-Schwadorf sind erhebliche Bedenken von allen maßgeblichen Denkmalschutzinstitutionen formuliert worden: dem LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, dem LVR-Dezernat Kultur und landschaftliche Kulturpflege, Fachbereich Regionale Kulturarbeit, der Bezirksregierung, dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung (für das Land als Eigentümerin der Brühler Schlösser) und der Fachberatung für die Welterbestätten, ICOMOS.
Die örtliche Initiative DENKmal-brühl.de hat jetzt einen Unterschriftenaufruf gestartet: Kulturlandschaft rund um Schloss Augustusburg erhalten und gestalten.

Der RVDL unterstützt diesen Aufruf. Hier können auch Sie unterschreiben:

Unterschriftenaufruf


Brühl

Zusammenfassung der Stellungnahmen des RVDL zum „BP 05.10 östlich Lindenstraße / westlich An der Schallenburg“ der Stadt Brühl im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung und Offenlage

Im Verfahren zum Bebauungsplan 05.10 „Östlich Lindenstraße, westlich An der Schallenburg“ sowie zur 50. Änderung des Flächennutzungsplans ist zwar im Umweltbericht der Hinweis auf die Kulturlandschaft enthalten. Es fehlt aber eine Darstellung der Folgen einer Realisierung der Planung für die Kulturlandschaft: Diese Bebauung würde nämlich

  • die Sichtbezüge der UNESCO Welterbestätte Schloss Augustusburg zur Schallenburg in Schwadorf,
  • die Wahrnehmbarkeit der mittelalterlichen Ortskante von Schwadorf selbst sowie
  • die dort vorhandene und für die Kulturlandschaft bedeutsame Wasserführung beeinträchtigen.

Das Parkpflegewerk von 1992 für den Schlosspark Brühl stellt mehrfach die Bedeutung der Blickachsen in die umgebende Landschaft fest: „Der durch breite offene Alleen gekennzeichnete Tiergarten des 18. Jahrhunderts stellt als herausragende Blickbeziehung vom Schloss aus über die Hauptallee die Verbindung in den offenen Landschaftsraum nach Süden bis zur Burg in Schwadorf und zu dem Höhenzug des damals bereits weitgehend waldlosen Vorgebirges her.“ Ausdrücklich wird festgestellt, dass diese Blickachse zwar durch den Bau der A 553 beeinträchtigt, aber nicht zerstört worden ist. So besteht nach wie vor die wechselseitige Blickbeziehung zwischen Schloss Augustusburg und der Schwadorfer Burg (Schallenburg). Von letzterer blickt man noch heute auf Schloss Augustusburg; umgekehrt geht der Blick von der Terrasse vor der Südfront des Schlosses genau auf die Schallenburg. Folglich führt der Landesentwicklungsplan im „Anhang 2“ den Kulturlandschaftsbereich um Schloss Augustusburg als „landesbedeutsamen Kulturbereich“ auf und verweist sowohl auf die kurfürstlichen Schlösser Augustusburg und Falkenlust (Welterbe mit Pufferzone), Gärten und Parks, Achsen und Sichtbezüge als auch u.a. auf die mittelalterlichen Burgen und Ortschaften.

Im Fachbeitrag zum Regionalplan ist dies weiter ausgeführt. Zum Kulturlandschaftsbereich 161 „Brühl / Kurfürstliche Schlösser“ sind dort ausdrücklich die „Blickachsen von Schloss Falkenlust auf das Siebengebirge und von Schloss Augustusburg auf Schwadorf“ genannt. Ferner ist dort der Kulturlandschaftsbereich 201 „Schwadorf (Brühl)“ mit folgenden Merkmalen benannt: „Im Kern spätmittelalterliche mehrteilige Wasserburganlage Schallenburg mit Obst- und Pferdeweiden; neugotische Kirche St. Severin, Kirchturm als Landmarke aus den nordöstlichen ackerbaulich genutzten Freiräumen; im Ort historische Höfe. – Schallenburg und Weiherhof Bodendenkmäler.“ Wichtig ist die Erhaltung des Freiraums in dem geplanten Baugebiet, da nur so die historische Ortskante des KLB 201 (Schwadorf) und der historische Ort Schwadorf als landschaftliche Dominante (Ziel Regionalplan) in ihrer kulturlandschaftlichen Bedeutsamkeit bewahrt werden können. Dieser Freiraum als Voraussetzung für die Wahrnehmbarkeit der Baudenkmäler gilt im Besonderen für die Doppelanlage des Strauchshofes und für die Anlage der Schallenburg. Der Denkmalverbund verdeutlicht in einzigartiger Weise den Zusammenhang von Landschaft und Gebäuden.

Ferner ist noch darauf hinzuweisen, dass die Vorgebirgslandschaften in diesem Bereich als „Rheinterrassen“ durch eine Vielzahl von mittelgroßen und kleinen Bachläufen geprägt sind. In Schwadorf gehören sie seit Jahrhunderten zum Ortsbild und haben den Bau der als Bau- und Bodendenkmal geschützten Schallenburg veranlasst. Insofern sind die vorhandenen Bachläufe unabdingbarer Teil der Kultur­land­schaft und auch im Kulturlandschaftsbereich 201, der die mittelalterliche Ortsbegrenzung erfasst, inbegriffen. Die Schallenburg ist als Wasserburg in ihrer wehrhaften Anlage, aber auch in der Gründung der Fundamente (Baustabilität) auf die Bewahrung der jetzigen Wasserläufe angewiesen. Dass die verrohrte Führung des Bachlaufs von existentieller Bedeutung für die Schwadorfer Burg/ Schallenburg ist, ist im Entwurf des Bebauungsplans mittlerweile aber in der „Begründung zu den Planungsabsichten“ festgehalten.


Stellungnahme zu dem Bebauungsplan 05.10 „Östlich Lindenstraße, westlich An der Schallenburg“ sowie der 50. Änderung des Flächennutzungsplans für die Bebauungsplanaufstellung 05.10 „Östlich Lindenstraße, westlich An der Schallenburg“

Stellungnahme (PDF, 306 KB)

Karte (PDF, 1,91 MB)

Die Karte ist verwendet eigene Fotos vom 17.3. und 18.3.2020 und braucht vielleicht folgende Erklärung:
Die Karte zeigt die existenten Blickachsen von Schloss Augustusburg nach Brühl-Schwadorf (zur Kirche St. Severin und zur Schallenburg). Die Fotos sind in der jeweils aufeinander bezogenen Ansicht wiedergegeben (also Südfassade und Gartenfront von Schloss Augustusburg, Nordseite der Schallenburg). Die Blickachse reicht von der Südfassade des Schlosses bis zur Schwadorfer Burg (Schallenburg) und umgekehrt von dieser bis zur Schlossfassade.

  • (Aufgeführt ist außerdem die historische, aber durch die A 553 zerstörte Sichtachse des Point de vue zum Strauchshof in Brühl-Schwadorf.)
  • Die Fotos auf der Karte sind mit den entsprechenden KuLaDig-Artikeln verlinkt. (Die Sichtachsenbezüge sind in den Artikeln durch aktuelle Fotos nachvollziehbar.)
  • Das Brühler BPlan-Gebiet 05.10 „Westlich Lindenstraße / östlich An der Schallenburg" befindet sich genau im Dreieck nord-westlich der Schallenburg und ist lila schraffiert.


Veranstaltungen


Vorstand

Vorstand Regionalverband Rhein-Erft

Dr. Ulrich Stevens
Arbeitskreis RVDL vor Ort
ehust.bruehl@t-online.de

Karl Ernst Forisch
Denkmalbeauftragter der Stadt Hürth
Pestalozzistr. 16
50354 Hürth
02233 - 75491
karl-ernst.forisch@stevensnetz.de

Michael Zöphel
michael@zoephel.de

Rolfjosef Hamacher
Arbeitskreis Recht des RVDL
Rudolfstr. 171
50226 Frechen
rolfjosef.hamacher@arcor.de

Wilhelm Zimmermann
50226 Frechen


Kontakt

Dr. Ulrich Stevens

Karl Ernst Forisch

Michael Zöphel
michael@zoephel.de

Rolfjosef Hamacher