Fenster in Mater Dolorosa in Driesch © Thomas Hummel, wikimedia

Exkursion zur Wallfahrtskirche „Mater Dolorosa“ in Driesch

05.07.2015

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Mitten auf der Hochfläche zwischen Üss und der Endert berührt die alte Heerstraße zwischen Trier und Koblenz den Ort Driesch, dessen schlanker Kirchturm weit in die Landschaft grüßt.
Weithin über die ganze Vordereifel waren diese Kirche und ihr Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes bekannt und verehrt.

Museum am Strom in Bingen © Silvia Morlock, GDKE

Die Anfänge der Wallfahrt nach Driesch gehen zurück in das Jahr 1440, in der gleichen Zeit, da Eberhards-Klausen entstand. War es in Klausen der Bruder Eberhard, der den Bau der Wallfahrtskirche veranlasste, so war es in Driesch ein Einsiedler namens Nikolaus Helmis, der den kühnen Entschluss fasste dem Gnadenbild, das irgendwo in der Nähe eines Feldweges stand, eine Kapelle zu errichten. Er trug sein Anliegen den Burgherren von Ulmen vor. Hier findet er Gehör und Hilfe, ja noch mehr: Ritter Gotthard Haust zu Ulmen setzt sich selbst und mit seinem ganzen Einfluss bei der Eifeler Ritterschaft für den Bau der Kirche ein, wie aus einer Urkunde vom 28.Okt. 1477 hervorgeht. Durch ihre Wappen, als Schlusssteine im Gewölbe angebracht, lebt das Andenken der Stifter weiter. Die Wallfahrtskirche wurde, 1478 – 1496, erbaut als zweischiffige Hallenkirche mit zwei jedem Schiff entsprechenden Ostchören, einem dem Nordschiff vorgelegten Westturm und einem niedrigen Portalvorbau vor dem Südschiff. Dieser Bautyp ist möglicherweise auf den Einfluss von Kardinal Nikolaus von Kues (1401 -1464) zurück zu führen, der u.a. die Hospitalkirche St. Nikolaus in Kues (1450 – 1457) auch als Einstützenkirche errichten ließ.

Der Südchor, 1456, dreiseitig geschlossen, ist 5,20 m breit und 8,75 m lang. Er hat auf unten abgebrochenen Diensten, die auf Engelsköpfen ruhen, ein Gewölbe, das im Langjoch ein Netzgewölbe, im achteckigen Schluss in ein Sterngewölbe übergeht. Eine Profilkonsole ist als Laubwerkstütze mit dem Wappenschild des Trierer Kreuzes ausgebildet. Auf den Knotenpunkten der Gratmittelachse sind Wappenschilder mit den Hochreliefs der Kreuzigungsgruppe, einer Muttergottes mit dem Kinde und der hl. Petrus. Zur Seite das Wappen des Erzbischofs
Johann II von Baden (1456-1503) und das Wappen der Ritter Haust von Ulmen. Im Gewölbeschlussstein steht die Bauzahl 1478 und ein Steinmetzzeichen.

Dieser Chor macht den Eindruck einer Kapelle und war ja auch ursprünglich dem Vesperbild gewidmet. Der Nordchor ist quadratisch, ca. 5,70 m, und hat ein reguläres Sterngewölbe auf einfachen
Kopfkonsolen. Das Langhaus, 1496, ist nahezu quadratisch, im Lichten 13,50 m lang und 11,25 m breit, sowie 10,00 m hoch. Hat einen achteckigen Mittelpfeiler und ein reguläres Netzgewölbe, dessen Rippen sich diagonal kreuzen, und von den vier Gurtrippen, die alle hohlprofiliert sind, durchschnitten werden. Sie wachsen direkt aus dem Mittelpfeile, und ruhen an den Wänden auf Profilkonsolen und auf figürlichen Konsolen.
Die Fenster haben Hohlprofile in den Einfassungen. Das Südostfenster des Südchores ist rein gotisch, alle übrigen haben Fischblasenmaßwerke. Der Turm ist romanisch und viergeschossig, hat im obersten Geschoß vier Rundbogenfenster als Schallfenster auf achteckigem Mittelpfeiler aus rotem Sandstein gepaart. Der Pfeiler hat weder Basis noch Kapitell, die Überführung auf das stärkere Mauerwerk geschieht durch einen Kämpferstein. Als Abschluss ein Gesims mit Rundbogenfries (Nasengesims), dazu einen schlanken achtseitigen Turmhelm. Die beiden unteren Turmgeschosse sind rippenlos
kreuzgewölbt.
Es befinden sich heute vier Glocken, auf einem neuen Holzglockenstuhl, im Turm:
Glocke I : J H S MARIA HEISSEN ICH BES WEDER VERDRIBEN ICH CLAS VON ENEN GOS MICH M CCCCXCVI (1496)

Gewicht: 755 kg ø 1065 mm


Glocke II : JESUS MARIA JOSEPH HEISCHEN ZU EHREN GOTTES LEUDEN ICH H M B R ENGELPERT GROMEL G [OS] M [ICH] 1692

Gewicht: 488 kg ø 934 mm


Neu erworben wurden 2014 aus der profanierten Kirche St. Marien, Bernkastel-Kues:


Glocke III : FRIEDEN HINTERLASSE ICH EUCH, MEINEN FRIEDEN GEBE ICH EUCH. NICHT WIE DIE WELT GIBT, GEBE ICH EUCH. EUER HERZ
ERSCHRECKE NICHT UND VERZAGE NICHT.
Johannes Mark, Brockscheid, 1969

Gewicht: 295 kg ø 745 mm


Glocke IV : HOCH PREIST MEINE SEELE DEN HERRN, MEIN GEIST JUBELT IN GOTT, MEINEM HEILAND
Johannes Mark, Brockscheid, 1969

Gewicht: 180 kg ø 625 mm


Nach der Fertigstellung 1496, als schon bald von nah und fern die Pilger nach Driesch kamen, übertrug man die Betreuung der Pilger und des Heiligtums einem Rektor, der seinen Sitz in Driesch nahm. Besondere Erwähnung die sich um den Erhalt der Kirche verdient machten
waren die Rektoren Johann Sander (1681-1691), Matthias Binz (1691-1717) beide aus Driesch stammend, und Johann Gerhardt (1745-1793).

Die umfangreiche Chronik weiß zu berichten von der wechselvollen Geschichte der Kirche und des Dorfes: von einem Blitzschlag (1687), von Plünderungen und Brandschatzung (1635) und Raubkriegen des frz. Königs Ludwig des XIV (1672 u. 1689) Vor dem großen Brand am 18.
Aug. 1687 infolge eines Blitzschlages, bei der die Kirche bis auf die Mauern und steinernen Gewölbes abbrannte, hatte der Turm eine Galerie mit vier Ecktürmen, ca. 4,50 m hoch. Zum Glück wurde das Gnadenbild durch alle Wirren der Zeit bis in unsere Tage unversehrt gerettet.
Woher das Gnadenbild stammt, ist nicht nachzuweisen. Feststehen dürfte, dass die Arbeit aus dem 15.Jhr stammt. Ursprünglich habe sich das Gnadenbild bis etwa 1750 in einer Nische der Kirche befunden. Später kam es in einen dafür errichteten Holzaltar im Inneren der Kirche
Am 11. Mai 1952 wird von Weihbischof Dr. Bernhard Stein ein besonderer Gnadenbildaltar an der Mittelwand der Kirche konsekriert. Das Gnadenbild behielt auch nach den Renovierungsarbeiten 1971/72 den Platz vor der Mittelwand, bekam jedoch eine andere Aufstellung in Form eines Löffelkreuzes.
Im Jahre 1750 wurde eine Empore gebaut, auf der im Jahre 1751 Theodor Claus aus Cochem, vermutlich als Neubau oder Umbau die Orgel errichtete. Es gibt große Ähnlichkeit zum Werk Balthasar Königs. Es handelt sich hierbei um ein dreiteiliges Orgelprospekt auf halbrunden Konsolen mit hohen Profilabschlüssen. Verwendet wurden Rokoko Ornamente als Schleierkränze in Holz und aus Blech geschnitten. Nur noch einige historische Pfeifen in der Orgel sind vorhanden. Die gedeckten Metallpfeifen deuten auf Balthasar König, die historischen Pfeifen der Rohrflöte deuten auf die Orgelbauer Stumm.

1973 erfolgte ein grundlegender Umbau der Orgel. Sebald versetzte die Orgel aus der Emporenmitte auf die Seite und zurück gegen die Rückwand. Die Rückwand des Orgelgehäuses wurde verschnitten und ohne Stimmgang wurden die Hüte des Gehäuses an die Emporenrückwand gedübelt. 2015, im Rahmen der Kirchensanierung wurde die Orgel durch die Firma Hubert Fasen aus Oberbettingen gereinigt, repariert, teilweise restauriert und wieder an ihrem originalen Standort aufgestellt.
Die Orgel besitzt 10 Register im Manual, ein angehängtes Pedal, hat 649 Pfeifen, davon sind 24 aus Holz, 48 Zungen und 577 labiale Metallpfeifen, davon stehen 27 Pfeifen im Prospekt. Neben dem altehrwürdigem Gnadenbild birgt die Kirche ein besonders Kunstwerk in dem sogenannten Bitter-Leidens-Altar.
Schriftliche Aufzeichnungen über die Entstehung des Kunstwerkes und das Lebensschicksal seines Erbauers sind bisher nachweislich nicht bekannt. Nach der mündlichen Überlieferung ist dieses Meisterwerk um 1650/1670 vermutlich von dem Bauernschreiner Bartholomäus
Hammes aus dem nahen Alflen geschaffen worden und gilt heute noch als einer der eindrucksvollsten und schönsten Barockaltäre im Rheinland.
Neben Ausbesserungsarbeiten an der Kirche, 1868/69, wurde der in abgestimmten Farben, unter Verwendung von Gold und Silber bemalte Altar, heute unvorstellbar in einem einheitlichen Steingrau angestrichen. Dechant Alois Breidt (1940-1952) in seiner Chronik:


„Diesen Altar fand ich im Chor links vor, in einem trostlosen Zustand, vom Holzwurm übel mitgenommen, in hässlichem Steingrau gestrichen in dieser dunklen Ecke ganz unbeachtet.“


Im Winter 1941 wurde der Hochaltar von der Firma Claus Port aus Münstermaifeld restauriert. Nach Plänen des Bistumskonservator Prof. Irsch, ein Tabernakel eingebaut, und im Dezember 1942 wieder aufgestellt, und er nimmt heute den Südchor in voller Höhe ein. 2013-2015, durch die Restauratoren Plen-Ress, wurden die Reliefarbeiten mit leichten Retuschen und dezenten Goldarbeiten auf den heutigen Zustand gebracht. Der Altar gliedert sich in drei Aufsätzen mit der Darstellung des Leidens Christi in elf Hochreliefs. Über dem Sockel mit der Grablegung ist der erste Aufsatz durch je zwei gewundenen und mit Ranken und Eicheln bedeckten Säulen gegliedert, deren inneres Paar auf Engelsköpfen als Konsolen ruht. In der Mitte in einer Rundbogenblende die Kreuzabnahme, außerhalb der Säulenpaare die Hirten auf dem Felde und die Gefangennahme Christi. Über dem kräftigen Gebälk der zweite Aufsatz, schmaler, durch je eine Säule gegliedert, die über der inneren untern steht. In der Mitte die Kreuzigung, außen
die Fortführung und Geißelung des Herrn. Der dritte Aufsatz wieder kleiner und schmaler, mit der Anheftung an das Kreuz und dem Verhör. Als oberer Abschluss ein Rundbogen mit der Kreuztragung. Außen um den Altar noch eine Einrahmung von wulstartigen derbgeschnittenen Voluten, als übereinander aufsteigende Rankenwerk, welches die Verjüngung nach oben mitmacht, sowie überall zwischen den Darstellungen eine Menge von Verzierungen, in den Gesimsen ist das Wellenband durchgeführt.

Nach Erbauung der Kirche, 1496, wurden fünf Altäre errichtet: der Hochaltar zu Ehren des hl. Kreuzes, zur schmerzhaften Muttergottes, dem hl. Nikolaus, dem hl. Sebastian und des hl. Rochus, dem hl. Barbara und der hl. Ottilia.
Drei einfache Altargemälde aus Holz sind noch erhalten geblieben, gestiftet 1763 von „Johannes Sander, Rektor der Clause in Driesch, Kellner im Kloster Marienburg bei Boppard, und von Matthias Binz Rektor in Driesch“. Zur Seite kniend die Stifter. Die hl. Familie, im Vordergrund ein junger Priester als Stifter. Die Kreuzigungsgruppe, über dem Eingang der Sakristei, erweitert durch die Figuren der hl. Barbara und der hl. Ottilia.
Weil die Kirche einen großen Zulauf hatte, waren einige fromme Christen dafür einen Kreuzweg um die Kirche errichten zu lassen. Am 19.03.1755 unterbreitete Pater Albinus aus dem Franziskanerkloster Adenau, Rektor Gerards einen Plan zur Aufstellung der Stationen.
Man kam überein mit Meister Johann Heinrich Nilles, Stein-und Bildhauer aus Wittlich, die Arbeiten aus Wittlicher Sandstein zu fertigen. Im Beisein von Schultheis Carl Casper Armbruster von Lutzerath und Pater Albinus wurde der erste Stein gelegt, in welchem ein kleines silbernes Kreuz mit einem Pergament eingelegt ist mit folgender Schrift: „Dieser Kreuzweg ist errichtet worden am 14. Juli des Jahre 1755, als Papst Benedikt XIV die Kirche leitete, unter Kaiser Franz I, dem Trierer Erzbischof Franz Georg von Schönborn, dem Weihbischof Johann Nikolaus von Hontheim.“
Erst 1985 wurde durch den ortsansässigen Bildhauer Rudolf Müller die Stationen restauriert, da der Sandstein durch die Witterung schon stark gelitten hatte.

Als in der Säkularisation (1803) die Kirche ihren Geistlichen verlor, begann auch der Pilgerstrom zu versiegen. Die Wallfahrt geriet mehr und mehr in Vergessenheit. Es wurde fortan still um das einst so vielbesuchte Gnadenbild und der Marien-kirche „Mater dolorosa“ von Driesch.
Erhalten blieb jedoch die Liebe der Dorfbewohner zu ihrem Gotteshaus. Die Chronik weiß zu berichte, dass in den letzten hundert Jahren noch jede Generation nach Mitteln und Wegen suchte, die Kirche als das Herzstück des Dorfes baulich zu sichern und zu verschönern.
So konnte im Mai 2015, nach Renovierungsarbeiten im Kircheninnern und erheblichen Sanierungsmaßnahmen an der Holzkonstruktion des Kirchturmes, die Wiedereröffnung gefeiert werden.

Ein Bericht von
Hans-Joachim Lui
RV Cochem-Zell

Schatzmeister

Rudolf Conrads

Bankkaufmann, Dipl.-Betriebswirt, Dipl.-Volkswirt

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