Postkarte der Marienburg auf einer Erhöhung direkt an einer Moselschleife © gemeinfrei

Rundbrief vom Regionalverband Cochem-Zell – Oktober 2020

01.10.2020

Kategorien

Die derzeitige Situation lässt es nicht zu, Sie zu unseren beliebten und interessanten „Exkursionen“ einzuladen. Veranstaltungen in geschlossenen Räumen werden in absehbarer Zeit nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen mit begrenzter Teilnehmerzahl möglich sein.

Wir haben Sie allerdings mit unseren Rundbriefen „mit auf die Reise genommen“. Im Mai berichteten wir über die Situation 1945 rund um die Bullayer Doppelstock-Brücke. Im Juni stellten wir Ihnen den Moselort Alf vor und im Juli 2020 berichteten wir über die Geschichte des Klosters Stuben. Heute stellen wir Ihnen ein anderes „Kloster“ vor, die Marienburg oberhalb Alf-Bullay und Pünderich.
Wikipedia berichtet umfangreich über die Geschichte der Marienburg, hier einige Auszüge: Das „Kloster Marienburg“ wurde an der Stelle einer Kurtrierer Burg errichtet. Für die Existenz der Burg sprechen die alte Bezeichnung „Castrum Mariae“ und die vorhandenen alten Befestigungsanlagen. Am 22. April 1143 bestätigte Papst Innozenz II der Abtei Springiersbach den Besitz der Pfarrkirche auf dem „St. Petersberg“ (dem heutigen Platz der Marienburg) mit den fünf dazu gehörigen Filialkirchen. 1146 beginnt Abt Richard I mit der Gründung eine Frauenklosters nach den Regeln des hl. Augustinus. Die inzwischen baufällig gewordene Peterskirche lässt er abreißen. Am 18. Oktober 1157 nimmt Erzbischof Hillin von Falmagne die feierliche Einweihung der neuen Klosterkirche von Marienburg auf den Namen „der reinen und makellosen Jungfrau Maria“.

Diese Kopie einer Broschüre, gedruckt von Kömmet in Cochem, ist auf das Jahr 1898 datiert und zeigt das noch heute bestehende Osttor. dahinter sichtbar die Ruine der Apsis der ehemaligen Kirche.

Jetzt ein großer Sprung in die neuere Zeit:
1803 wird die Marienburg mit ihrem ganzen Besitz als französisches Nationaleigentum erklärt und versteigert. Wundarzt Jodokus Crossius aus Zell ersteigert die Marienburg samt dabei liegendem Garten für 1075 Francs, verkauft sie aber weiter an Stephan Kallfelz aus Merl. 1838 erwerben der Zeller Landrat Moritz, Kaufmann Clemens von Alf und Hüttenbesitzer Ferdinand Remy die Ruine Marienburg nebst Klostergarten und Anwesen.

Dieses Foto von 1907 zeigt den „Petersberg“ mit der Ruine Marienburg. In den 1850er Jahren wurde nach einer Entscheidung der preußischen Regierung die Mosel für die neu aufgekommenen und größeren Dampfschiffe schiffbar gemacht indem die „Fahrrinne“ eingeengt und damit der erforderliche Wasserhöhe für den größeren Tiefgang die Dampfschiffe erreicht. Man sieht deutlich die künstlichen Buhnen, „Krippen“ genannt, die die Fahrrinne einengen.

1950 geht das gesamte Anwesen mit der Kirchenruine an das Bistum Trier, um die Marienburg wieder einem sakralen Zweck zuzuführen. 1957 erfolgt die Einweihung der neuen Kirche in die die Ruine der Apsis der früheren Kirche integriert wurde. Fortan dient die Marienburg, erweitert um Gebäude mit Tagungs- und Schlafräumen, Räumen für die Bewirtschaftung, als Jugendbildungszentrum Sonntagsspaziergang zur Marienburg machte.

Die gesamte Anlage war damals noch in dem Zustand wie auf dem 1930er Foto gezeigt. Etwa 1953 nahm ich an einem Wochendendtreffen der Ministranten der Region rund um die Marienburg teil. Es gab noch kein fließendes Wasser auf der Marienburg und wir stiegen für die „Morgentoilette“ rund 200 Stufen einer heute noch existierenden Treppe hinunter an die Mosel um sich „am fließenden Wasser“ der Mosel zu waschen.

Ein Bericht von
Gerhard Schommers
RV Cochem-Zell

Alle verwendeten Abbildungen sind gemeinfrei.

Im weiten Umkreis werden die Alfer „die Allewer Baachspoutzer“ genannt. Seit Generationen treffen sich vor allem die Alfer Männer an der Brücke über den Alfbach um Neuigkeiten auszutauschen. Dabei spuckte mancher schon mal über das Geländer in den Alfbach. Daher der Name „Baachspoutzer“. Symbolisiert wird der Name heute durch eine Bronzefigur die in regelmäßigen Abständen übers Geländer in den Bach spuckt.
Im Hintergrund des Fotos sieht man das frühere Hotel zur Post. Geleitet wurde es von den Geschwistern Leunig. Aber auch hier fehlte es daran, mit der Entwicklung und den Ansprüchen der Gäste Schritt zu halten. Seit vielen Jahren steht das Haupthaus leer, im rechten Nebengebäude befindet sich heute eine Pizzera mit einer schönen Moselterrasse.
Viele erinnern sich noch an den Schokoladen-Fabrikanten Hans Imhoff. Imhoff war über viele Jahre einer der größten Arbeitgeber der Region – bis er die Marke und die Fabrik von Stollwerck in Köln kaufte und die Fabrikation nach Köln verlegte, jedoch nicht in das traditionelle Stollwerck-Viertel sondern in einen modernen Neubau an der Peripherie von Köln. Imhoff war häufig Gast im „Hotel zur Post“ um auf der Terrasse seinen Nachmittagskaffee zu trinken. Zum Hotel zur Post, früher eine Poststation, gehörte die gegenüber liegende „Dependance“ als Bettenbau. Das Haus musste in den 50er Jahren der Alfer Umgehungsstraße weichen. 

Ein Bericht von
Gerhard Schommers
RV Cochem-Zell

Alle verwendeten Abbildungen sind gemeinfrei.

Schatzmeister

Rudolf Conrads

Bankkaufmann, Dipl.-Betriebswirt, Dipl.-Volkswirt

Thematische Schwerpunkte

  • Finanzen des RVDL
  • Leitung der Marianne von Waldthausen Geächtnis-Stiftung
  • Pflege / Inwertsetzung der RVDL-Burgen
  • Weiterentwicklung der Verzahnung des Gesamtvereins mit den Regionalverbänden
  • Kreativer Partner für die Vorstände der Regionalverbände

Regionale Verantwortung

  • Schatzmeister im Freundeskreis der Burg Stahlberg e.V.
  • Schatzmeister im Freundeskreis der Burg Virneburg e.V.
  • Vorstandsmitglied im RVDL Regionalverband  Köln
  • Beiratsmitglied im RVDL Regionalverband Rhein/Mosel/Lahn
  • Vorsitzender des Beirats der Stiftung Lahn-Marmor-Museum

Kontakt

rudolf.conrads(at)rheinischer-verein.org