Buchmalerei der Polenkönigin Richeza aus dem 14. Jahrhundert © public domain

Wohnte die erste Europäerin in Klotten an der Mosel? – Exkursion nach Klotten an der Mosel

29.08.2011

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Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Regionalverband Cochem-Zell, hatte am 12. August 2011 zu einer Exkursion nach Klotten an der Mosel eingeladen, um den Spuren der Polenkönigin Richeza, die nach mündlicher Überlieferung von 1040 bis 1049 in Klotten gelebt haben soll, nachzugehen.

Portalsturz der durch Huso einem Ministerialen der Polen Königin Richeza und dem Hl. Nikolaus geweihten Kapelle in Klotten © Stephan Tournay, wikimedia

Am Haus „Moselschiefer“ begrüßte der Vorsitzende des RVDL Cochem-Zell, Dieter Rumpenhorst, die Gäste. Referent Heribert Steffens, ein profunder Kenner seines Heimatortes, lud zu einem Einführungsgespräch in den Geschichtsraum der Ortsgemeinde Klotten ein. Sein Bogen spannte sich im „historischen Sauseschritt“ vom Jahre 990 bis in die heutige Zeit. Mit der Genealogie der Deutschen Kaiser, der Rheinischen Pfalzgrafen und der Biografie Richezas sowie ihre historische Bedeutung für das deutsch-polnische Verhältnis im 11. Jahrhundert. Pfalzgraf Ezzo, der Vater Richezas, heiratete die Tochter von Kaiser Otto II.
Um der Verbindung mit Polen eine Beständigkeit zu geben, wurde im Jahre 1000 in Gnesen die Heirat Richezas mit dem Sohn des polnischen Fürsten Boleslaw I. vereinbart, die dann im Jahre 1013 stattfand.
Richeza bemühte sich, in Polen den christlichen Glauben einzuführen. Sie lies etliche Kirchen bauen und Benediktinermönche von Köln kommen. Nach dem Tode ihres Mannes Miezko II. im Jahre 1034 kam es auch u. a. auch zu familiären Unstimmigkeit mit dem älteren
Bruder ihres Mannes. Richeza verließ mit ihren Kindern Polen und zog sich auf ihren Besitz in Deutschland zurück. Sie hatte ihren Vater Ezzo beerbt, da ihre Geschwister alle einen geistlichen Beruf ergriffen hatten. 6 Schwestern waren Äbtissinnen in berühmten Klöstern, ihr
Bruder Ludolf starb bereits 1031, Otto wurde Herzog von Schwaben und Hermann Erzbischof von Köln.
Das Gebiet von der Eifel, dem Rhein und der Mosel stammte von ihrem Vater dem Pfalzgrafen Ezzo und das „Predium“ Salz in Franken und der reiche Besitz um Saalfeld- Coburg stammte von ihrer Mutter Mathilde, der Schwester Kaiser Otto II. Nach ihrer Abreise
aus Polen durfte sie mit der Genehmigung Kaiser Heinrichs den Titel Polenkönigin auch in Deutschland tragen. Sie lies sich in Klotten eine Nikolauskapelle mit einem Wohnturm bauen, wo sie von 1040 bis 1049 mit ihren Kindern, nach mündlicher Überlieferung, gelebt haben soll. Ihr Sohn Kasimir kehrte später nach Polen zurück und wird in den Geschichtsbüchern der Erneuerer Polens genannt, Tochter Gertrud heiratete später einen russischen Fürsten, und Tochter Richeza Bela I. von Ungarn. Erhalten von dem Besitz Richezas blieb, nach einem Bombenangriff 1944, nur der Portalsturz der Kapelle mit einer Inschrift aus der hervorgeht, dass die Kapelle ein Houso gebaut hat – dieser Houso wird in verschiedenen Urkunden im Zusammenhang mit Richeza aufgeführt.
Vor ihrem Tode vermachte Richeza ihr „Predium“ Klotten (von Reil bis Moselkern) dem Hauskloster der Ezzonen in Brauweiler, hier war auch eine Grabstätte für sie vorgesehen. In einem Nachlass fand Erzbischof Anno von Köln den Vermerk, das ihr Besitz der Kirche gehöre, in der sie begraben sei. Als sie am 21.3.1063 in Saalfeld starb, sollte ihr Leichnam in das Kloster nach Brauweiler gebracht werden. Auf diesem Weg über Köln fing Erzbischof Ezzo den Sarg ab und ließ ihn in der Maria ad Gradus Kirche in Köln aufstellen. Diese Kirche hatte ihr Bruder Hermann angefangen zu bauen und war bei seinem Tode 1056 noch nicht vollendet. Die Mönche aus Brauweiler, die mit dem Klottener Besitz gerechnet hatten, prozessierten mit dem Kölner Erzbischof Ezzo neun Jahre lang, bis der Streit von Kaiser und Papst für Brauweiler entschieden wurde.
Nach seinen Ausführungen führte Heribert Steffens die Teilnehmer zu den historischen Stätten von Klotten. Im Gemeindehaus sind der noch erhaltenen Portalsturz und in der Pfarrkirche der Nikolausaltar aus der alten Nikolauskapelle zu sehen und der Richeza-Altar
mit einer Reliquie der Polenkönigin, die Pfarrer Gehrmann im Jahre 2002 aus dem Sarg in Kölner Dom erhielt. Zum Abschluss traf man sich auf dem „Richeza-Platz“ unterhalb der Burg Coraidelstein bei
einem Glas guten Klottener Weins.

Ein Bericht von
Alfons Friderichs
RV Cochem-Zell

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Rudolf Conrads

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