Regionalverband Köln

Der Regionalverband Köln ist die mitgliederstärkste regionale Untergliederung des Rheinisches Vereins. Zu seinem betreuten Gebiet zählen die Städte Köln, Bergisch Gladbach und Leverkusen sowie der Rheinisch-Bergische und Oberbergische Kreis. Das Themenspektrum des Regionalverbands ist breit gefächert: Es reicht von der Sanierung römischer Stadtmauerreste bis hin zur Unterschutzstellung von Kaufhausfassaden aus den 1960er-Jahren.

Köln. © klaes-images, Holger Klaes

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Sgraffiti-Projekt

Die Bezeichnung Sgraffiti stammt aus dem Italienischen und bedeutet (heraus-)kratzen. Es handelt sich um reliefartige, bunte Kratzputzbilder.

Sie haben nichts mit Graffitis, den modernen und oft illegalen Sprühbildern der Straßenkunst, gemein. In dem Projekt werden seit 2018 Sgraffito des gesamten Vereinsgebietes systematisch erfasst und erforscht.

 

Sgraffiti kamen im Italien des späten Mittelalters auf. Anfangs bediente man sich der Sgraffitokunst, um Steinfassaden und Quader an Fassaden nachzuahmen und bediente sich später einfacher geometrischer Muster sowie Blumen- bzw. Rankengebilden. Als ältestes erhaltenes Sgraffito gilt eine Arbeit an der Casa Davanzati in der Via Porta Rossa in Florenz aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. In Deutschland entstanden besonders in der Nachkriegszeit, begünstigt durch zahlreiche „Kunst am Bau“-Förderprogramme, viele dieser bunten Bilder an und in öffentlichen Gebäuden. Sie finden sich auch als preiswertes dekoratives und haltbares, weil wetterbeständiges Gestaltungselement an eher schlichten Wohnbauten. Hierbei werden verschieden eingefärbte Putzschichten übereinander aufgetragen, wobei die dunkelste Schicht zuunterst liegt. Man kratzt dann die Elemente unterschiedlich tief durch die Schichten aus dem noch feuchten Putz heraus, so dass ein buntes, reliefartiges Gesamtbild entsteht. Einzelhandel und Handwerker nutzten die Sgraffiti als attraktive Werbung für ihr Geschäft. In den späten 1950er- und 1960er-Jahren entstanden zunehmend abstrakte, auch großflächige geometrische Darstellungen, etwa an Siedlungsbauten. Sie stehen meist nicht unter Denkmalschutz. Oftmals fehlt auch das Verständnis für diese „Volkskunst“ aus der Nachkriegszeit, so dass man sie unbedacht mit modernen Werbeschildern überklebt, übermalt oder direkt davor Feuertreppen und Schornsteine anbringt. Durch die heute verstärkt durchgeführten Fassadendämmungen verschwinden die bunten Bilder zunehmend hinter Styroporplatten. 2018 begann RVDL-Mitglied Dipl.-Geograf Alexander Hess mit der Erfassung vorhandener sowie nicht mehr sichtbarer oder zerstörter Kratzputze im Kölner Regionalverband. 2019 wurde das Projekt auf den gesamten Rheinischen Verein ausgedehnt. Im gleichen Jahr ließ die Greven-Stiftung die bis dahin bekannt gewordenen Sgraffiti in Köln fotografieren. Erfassung Ende 2022 gab es 114 Städte im Vereinsgebiet – im Rheinland (NRW), in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und den Niederlanden (Euregio) – mit mindestens einem Sgraffito. Mit 160 Sgraffiti an etwa 100 Gebäuden hat Köln die meisten bislang erfassten Kratzputze. Es folgen Koblenz mit 83 Sgraffiti an 64 Gebäuden, Brühl mit 27, Wuppertal mit 27, Bergisch Gladbach mit 26, Troisdorf mit 13 und Bonn mit 10 Sgraffiti. Das älteste Sgraffito stammt aus dem Jahr 1869 und befindet sich in Köln, das jüngste ist aus diesem Jahrhundert. Nur wenige der erhaltenen Sgraffiti entstanden im Kaiserreich bis 1918 oder in der Zwischenkriegszeit. Die meisten Objekte sind aus den 1950er- und 1960er-Jahren. Motive Unterschiedliche Motive zieren die gestalteten Wände: lokale Persönlichkeiten („Orgels Palm“ in Köln) oder stadtgeschichtliche Begebenheiten an öffentlichen Gebäuden. Bei Wohnbauten reicht das Repertoire von der typisch „idyllischen“ Szene der Nachkriegszeit (z.B. Rehe im Feld) über die familiäre Szenerie, den Sport treibenden und arbeitenden Menschen (teils großflächige Darstellungen von Gebäude errichtenden Handwerkern), abstrakte oder geometrische Motive bis hin zu Motivgruppen wie den Tierkreiszeichen. Spielende Kinder zieren oft Schulen und Kindergärten. Handwerksbetriebe verwendeten zu Werbezwecken Innungssymbole wie Brezeln (Bäckereien), Stierköpfe (Fleischerhandwerk) oder Schrauben und Werkzeug (Eisenwarenhandel). An Kirchen, Pfarrgebäuden und Krankenhäusern finden sich bevorzugt die Patronatsheiligen und seit den 1950er-Jahren auch Kreuzwegstationen in Sgraffitotechnik. Allerdings waren die Kreuzwegdarstellungen von Ludwig Schaffraths in St. Paulus, Bonn-Tannenbusch, zu ihrer Entstehungszeit nicht unumstritten. Künstler Die Zuordnung der Werke zu einem bestimmten Künstler erweist sich vielfach als schwierig. Häufig sind die Objekte nicht signiert. Wurden jedoch Namenskürzel angebracht, so lassen sich hieraus heute nur selten Verbindungen zu bestimmten Personen herstellen. Vielversprechend sind dann tiefergehende Recherchen in Stadt- und Zeitungsarchiven, in architektonischen Schriften und heimatkundlicher Literatur- oder aber zufällige literarische Funde sowie Mitteilungen. Zu den nachgewiesenen Künstlern zählen unter anderem Otto H. Gerster (1907–1981), Herbert Bienhaus (1906-1960), Ernst Wille (1916–2005), Hubert Schuffenhauer (1920-2004), Richard Seewald (1889–1976), Prof. Anton Wolff (1911–1980) im Köln, für den Rhein-Sieg-Kreis Ulrich Bliese (1917-2008), in Brühl Gerd Hoffschulz (1920-2004), Diet Plaetzer (1892-1958) in Wuppertal und Leverkusen-Opladen, Philipp Dott (1912-1970) für Koblenz und das Rhein-Mosel-Gebiet, Karl Kirfel (1919–1984) im Ahrtal sowie Anneliese und Josef Breuer in Bergisch Gladbach. Weitere bekannte Künstler sind Karl Heiduck, Ludwig Schaffrath, Helmut Plönes, Hans Slavos, Heribert Reul, Arnold Matzdorf, Sepp Semar, Arnold Mrziglod und Franziska Plate-Gies. Eine Auswahl Kölner Sgraffito-Motive ist im Greven Archiv Digital zu sehen. Eine Liste der bis jetzt in Köln bekannten und erfassten respektive verloren gegangenen Sgraffiti findet sich nach Stadtbezirken geordnet in folgendem Dokument: Sgraffiti in Köln Zudem werden weitere Listen bekannter Sgraffiti nach Städten geordnet als PDF-Datei zum Herunterladen bereitgestellt. Ausgewählte Beispiele werden auch in dem Internet-Kulturportal KuLADig (www.kuladig.de) zu finden sein. Ziel ist es, den Projekt-Zwischenbericht mit Katalog und Registerteil allen Interessierten zur Verfügung zu stellen. Selbstredend werden auch weiterhin Führungen und Vorträge zum Thema Sgraffiti angeboten. Wenn Sie von bestehenden oder verlorenen Sgraffiti wissen, bitten wir um eine Nachricht mit Bild, Standort sowie Beschreibung von Größe und Zustand, damit wir diese Sgraffiti in die Sammlung aufnehmen können.

Sgraffito an St. Maria im Kapitol. © KuLaDig, Sebastian Löder

Sgraffito an St. Maria im Kapitol. © KuLaDig, Sebastian Löder

Sgraffiti kamen im Italien des späten Mittelalters auf. Anfangs bediente man sich der Sgraffitokunst, um Steinfassaden und Quader an Fassaden nachzuahmen und bediente sich später einfacher geometrischer Muster sowie Blumen- bzw. Rankengebilden. Als ältestes erhaltenes Sgraffito gilt eine Arbeit an der Casa Davanzati in der Via Porta Rossa in Florenz aus der Mitte des 14. Jahrhunderts.
In Deutschland entstanden besonders in der Nachkriegszeit, begünstigt durch zahlreiche „Kunst am Bau“-Förderprogramme, viele dieser bunten Bilder an und in öffentlichen Gebäuden. Sie finden sich auch als preiswertes dekoratives und haltbares, weil wetterbeständiges Gestaltungselement an eher schlichten Wohnbauten. Hierbei werden verschieden eingefärbte Putzschichten übereinander aufgetragen, wobei die dunkelste Schicht zuunterst liegt. Man kratzt dann die Elemente unterschiedlich tief durch die Schichten aus dem noch feuchten Putz heraus, so dass ein buntes, reliefartiges Gesamtbild entsteht.

Einzelhandel und Handwerker nutzten die Sgraffiti als attraktive Werbung für ihr Geschäft. In den späten 1950er- und 1960er-Jahren entstanden zunehmend abstrakte, auch großflächige geometrische Darstellungen, etwa an Siedlungsbauten. Sie stehen meist nicht unter Denkmalschutz. Oftmals fehlt auch das Verständnis für diese „Volkskunst“ aus der Nachkriegszeit, so dass man sie unbedacht mit modernen Werbeschildern überklebt, übermalt oder direkt davor Feuertreppen und Schornsteine anbringt. Durch die heute verstärkt durchgeführten Fassadendämmungen verschwinden die bunten Bilder zunehmend hinter Styroporplatten.

2018 begann RVDL-Mitglied Dipl.-Geograf Alexander Hess mit der Erfassung vorhandener sowie nicht mehr sichtbarer oder zerstörter Kratzputze im Kölner Regionalverband. 2019 wurde das Projekt auf den gesamten Rheinischen Verein ausgedehnt. Im gleichen Jahr ließ die Greven-Stiftung die bis dahin bekannt gewordenen Sgraffiti in Köln fotografieren.

Erfassung
Ende 2022 gab es 114 Städte im Vereinsgebiet – im Rheinland (NRW), in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und den Niederlanden (Euregio) – mit mindestens einem Sgraffito. Mit 160 Sgraffiti an etwa 100 Gebäuden hat Köln die meisten bislang erfassten Kratzputze. Es folgen Koblenz mit 83 Sgraffiti an 64 Gebäuden, Brühl mit 27, Wuppertal mit 27, Bergisch Gladbach mit 26, Troisdorf mit 13 und Bonn mit 10 Sgraffiti.

Das älteste Sgraffito stammt aus dem Jahr 1869 und befindet sich in Köln, das jüngste ist aus diesem Jahrhundert. Nur wenige der erhaltenen Sgraffiti entstanden im Kaiserreich bis 1918 oder in der Zwischenkriegszeit. Die meisten Objekte sind aus den 1950er- und 1960er-Jahren.

Motive
Unterschiedliche Motive zieren die gestalteten Wände: lokale Persönlichkeiten („Orgels Palm“ in Köln) oder stadtgeschichtliche Begebenheiten an öffentlichen Gebäuden. Bei Wohnbauten reicht das Repertoire von der typisch „idyllischen“ Szene der Nachkriegszeit (z.B. Rehe im Feld) über die familiäre Szenerie, den Sport treibenden und arbeitenden Menschen (teils großflächige Darstellungen von Gebäude errichtenden Handwerkern), abstrakte oder geometrische Motive bis hin zu Motivgruppen wie den Tierkreiszeichen.

Spielende Kinder zieren oft Schulen und Kindergärten. Handwerksbetriebe verwendeten zu Werbezwecken Innungssymbole wie Brezeln (Bäckereien), Stierköpfe (Fleischerhandwerk) oder Schrauben und Werkzeug (Eisenwarenhandel). An Kirchen, Pfarrgebäuden und Krankenhäusern finden sich bevorzugt die Patronatsheiligen und seit den 1950er-Jahren auch Kreuzwegstationen in Sgraffitotechnik. Allerdings waren die Kreuzwegdarstellungen von Ludwig Schaffraths in St. Paulus, Bonn-Tannenbusch, zu ihrer Entstehungszeit nicht unumstritten.

Künstler
Die Zuordnung der Werke zu einem bestimmten Künstler erweist sich vielfach als schwierig. Häufig sind die Objekte nicht signiert. Wurden jedoch Namenskürzel angebracht, so lassen sich hieraus heute nur selten Verbindungen zu bestimmten Personen herstellen. Vielversprechend sind dann tiefergehende Recherchen in Stadt- und Zeitungsarchiven, in architektonischen Schriften und heimatkundlicher Literatur- oder aber zufällige literarische Funde sowie Mitteilungen.

Zu den nachgewiesenen Künstlern zählen unter anderem Otto H. Gerster (1907–1981), Herbert Bienhaus (1906-1960), Ernst Wille (1916–2005), Hubert Schuffenhauer (1920-2004), Richard Seewald (1889–1976), Prof. Anton Wolff (1911–1980) im Köln, für den Rhein-Sieg-Kreis Ulrich Bliese (1917-2008), in Brühl Gerd Hoffschulz (1920-2004), Diet Plaetzer (1892-1958) in Wuppertal und Leverkusen-Opladen, Philipp Dott (1912-1970) für Koblenz und das Rhein-Mosel-Gebiet, Karl Kirfel (1919–1984) im Ahrtal sowie Anneliese und Josef Breuer in Bergisch Gladbach. Weitere bekannte Künstler sind Karl Heiduck, Ludwig Schaffrath, Helmut Plönes, Hans Slavos, Heribert Reul, Arnold Matzdorf, Sepp Semar, Arnold Mrziglod und Franziska Plate-Gies.

Publikationen

Eine Auswahl Kölner Sgraffito-Motive ist im Greven Archiv Digital zu sehen.
Eine Liste der bis jetzt in Köln bekannten und erfassten respektive verloren gegangenen Sgraffiti findet sich nach Stadtbezirken geordnet in folgendem Dokument: Sgraffiti in Köln
Zudem werden weitere Listen bekannter Sgraffiti nach Städten geordnet als PDF-Datei zum Herunterladen bereitgestellt. Ausgewählte Beispiele werden auch in dem Internet-Kulturportal KuLADig (www.kuladig.de) zu finden sein. Ziel ist es, den Projekt-Zwischenbericht mit Katalog und Registerteil allen Interessierten zur Verfügung zu stellen. Selbstredend werden auch weiterhin Führungen und Vorträge zum Thema Sgraffiti angeboten.

Wenn Sie von bestehenden oder verlorenen Sgraffiti wissen, bitten wir um eine Nachricht mit Bild, Standort sowie Beschreibung von Größe und Zustand, damit wir diese Sgraffiti in die Sammlung aufnehmen können.

 

Projektverantwortlicher:
Dipl.-Geograf Alexander Hess
sgraffitoprojekt@gmx.de

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Vorsitzender
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Stellvertretende Vorsitzende
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Geschäftsführer
Martin Lehrer M.A.
 

Beisitzende
Dr. Ulrich Bock
Rudolf Conrads
Dr. Henriette Meynen
Dr. Gottfried Stracke
Wolfgang Wegener

Ehrenvorsitzende
Prof. Dr. Barbara Schock-Werner

Kontakt

rv-koeln(at)rheinischer-verein.org

Schatzmeister

Rudolf Conrads

Bankkaufmann, Dipl.-Betriebswirt, Dipl.-Volkswirt

Thematische Schwerpunkte

  • Finanzen des RVDL
  • Leitung der Marianne von Waldthausen Geächtnis-Stiftung
  • Pflege / Inwertsetzung der RVDL-Burgen
  • Weiterentwicklung der Verzahnung des Gesamtvereins mit den Regionalverbänden
  • Kreativer Partner für die Vorstände der Regionalverbände

Regionale Verantwortung

  • Schatzmeister im Freundeskreis der Burg Stahlberg e.V.
  • Schatzmeister im Freundeskreis der Burg Virneburg e.V.
  • Vorstandsmitglied im RVDL Regionalverband  Köln
  • Beiratsmitglied im RVDL Regionalverband Rhein/Mosel/Lahn
  • Vorsitzender des Beirats der Stiftung Lahn-Marmor-Museum

Kontakt

rudolf.conrads(at)rheinischer-verein.org